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Für fast 300.000 Euro zur WM und zurück

Patriotisch oder Steuergeldverschwendung ­– mußte Merkel zum Endpiel?

Dienstag, 15 Juli 2014 22:12 geschrieben von  Jens Hastreiter
Bastian Schweinsteiger Bastian Schweinsteiger Quelle: www.fussballbilder.net

Berlin - Der russische Präsident Putin ist wieder einmal fein raus: er war ohnehin auf großer Südamerika-Reise unterwegs und hatte es deshalb zum WM-Endspiel in Brasilien nicht allzu weit. Dort konnte er gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel den 1:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft im Endspiel in Rio de Janeiro live mitverfolgen.

Bei Kanzlerin Merkel liegt der Fall nicht so einfach. Sie ist zwar Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Außerdem wollen US-Forscher herausgefunden haben, daß sportliche Erfolge auch den Ausgang von Parlamentswahlen beeinflussen können – die Kanzlerin hat mithin gute Gründe, sich immer wieder demonstrativ volksnah in großen Fußballstadien zu zeigen. Die Frage nach den Kosten der Fußball-Stippvisite der Kanzlerin ins ferne Brasilien muß dennoch erlaubt sein. Was also kostete der Merkel-Flug zum Endspiel?

Die Bundesregierung hält sich zu den Kosten zwar bedeckt. Tatsache ist aber: eine einzige Flugstunde mit dem Airbus der Luftwaffe kostet laut Steuerzahlerbund rund 12.000 Euro. An Bord der deutschen „Airforce Number One“ gibt es neben Konferenz- und Arbeitsbereichen ein Schlafzimmer und eine Dusche. Was der Flug quer über den Atlantik und wieder zurück kostete, läßt sich demnach leicht ausrechnen: bei einer Flugzeit von zwölf Stunden von Deutschland nach Brasilien fallen schlappe 288.000 Euro an.

Warum die Rechnung? Unter anderem deshalb, weil sich die „Alternative für Deutschland“ (AfD), die es bei der Europawahl am 25. Mai aus dem Stand erstmals mit sieben Abgeordneten ins Europaparlament schaffte, nach dem Auftaktspiel der Deutschen gegen Portugal, zu dem die Bundeskanzlerin mit einer 15-köpfigen Delegation in einer Maschine für 142 Passagiere geflogen war, über Merkels „absolute Verschwendung von Steuergeldern ohne politischen, wohl aber privaten Nutzen“ beschwert hatte. Die Kritik mag man als „populistisch“ empfinden – die Kostenrechnung, die die AfD aufmachte, steht aber im Raum.

Die SPD zum Beispiel, ihrem Selbstverständnis nach eine altgediente „Volkspartei“, fand am teuren Flug der Kanzlerin nichts zu bemängeln. Das wundert freilich nicht, war doch auch jeweils ein Abgeordneter der Bundestagsfraktionen vom Kanzleramt zur Mitreise eingeladen worden. Auch beim WM-Finale am Sonntagabend war nicht nur Angela Merkel in Rio den Janeiro: auf Wunsch von Bundespräsident Joachim Gauck, der sich sogar noch mehr als die Regierungschefin schon „von Amts wegen“ als oberster Deutschland-Fan präsentieren kann, waren auch die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen sowie die Sportausschuß-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD) zum Mitflug eingeladen.

Merkel, Gauck und seine WM-Abordnung flogen übrigens in derselben Maschine zum Finale nach Rio. Ob das Bundespräsidialamt und die Bundesregierung auf diese Weise Kosten sparen wollten, wurde nicht bekannt. Bekannt und unstrittig ist dagegen, daß ein Verzicht der deutschen Staatsspitze auf den Flug nach Brasilien dem Geld des Steuerzahlers und nicht zuletzt den Klimaschutzzielen der Bundesregierung sicher nicht geschadet hätten.

Das Thema ist aber inzwischen vom Tisch. Denn zum einen interessieren sich angesichts des deutschen Final-Sieges die meisten Bundesbürger ohnehin nicht mehr für die Flugkosten der Kanzlermaschine (so wenig im übrigen wie für den brandgefährlichen Dauerkonflikt in der Ukraine, den Vormarsch der ISIS-Terrortruppe im Irak und den unversehens aufgeflammten Krieg im Gazastreifen). Und zum anderen hat sogar der Steuerzahlerbund inzwischen sein Plazet gegeben. Verbandspräsident Reiner Holznagel bezeichnete den ersten Brasilien-Flug der Kanzlerin als „angemessen“:  „Es handelt sich nicht um eine lustige Reise, sondern um ein Programm, das deutlich macht, daß die WM eben nicht nur ein sportliches sondern auch ein politisches Weltereignis ist", ließ Holznagel im „Handelsblatt" verlauten.

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