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Ausstellung „Rhythmen“ in der „Kleinen Galerie“

Peter Weidl: Das Allgemeingültige der Liebe und der Religion beweglich und fragil dargestellt.

Samstag, 15 November 2014 20:27 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Peter Weidl Peter Weidl Foto: altrofoto.de | Quelle: mittelbayerische.de

Magdeburg - Bis zum 31. November ist in der „Kleinen Galerie“ die Ausstellung „Rhythmen“ zu besuchen, die einen der bekanntesten Bestandteile der Bibel in weltlicher Darstellung vergegenwärtigt. Mit dem Thema „Hohelied der Liebe“ überträgt der Künstler Peter Weidl Motive des Alten Testaments in die Neuzeit und orientalische Darstellung in das Abendland. Er bedient sich daher Tuschezeichnungen, Aquarelle und Skulpturen. Als selbstgesetzte Zielstellung gibt der Künstler an, das Allgemeingültige aus den Bibelversen herausgearbeitet haben zu wollen. Offensichtlich versteht er unter dem Allgemeingültigen das Wesentliche, auf dessen Kern der Künstler die Darstellung der Verse in seiner Gestaltungssprache entkleiden will. Die maximale Reduktion ist eines der beiden Hauptmerkmale der Werke Weidls. Das zweite Gestaltungselement, dessen er sich bedient, ist die Bewegung. Dem Künstler gelingt es dadurch, passend zum Motiv der Liebe, einer lebenswirklichen Spannung zwischen zwei gegensätzlichen Polen Ausdruck zu verleihen. Durch die angewandte Technik gewinnen seine Kunstwerke einerseits etwas sehr Dynamisch-Kraftvolles, aber wirken andererseits gleichzeitig auch äußerst fragil. Attribute, die beide ungeschmälert der Liebe zugeschrieben werden können. Entgegen der in den Bibelversen durchklingenden, opulenten, orientalischen Üppigkeit entspricht Peter Weidls Prinzip der Reduktion der analytischen Weltschau des europäischen Abendlandes, die im faustischen Geist zu erkennen trachtet, was die Welt im Innersten zusammenhält.

Vom Wortsinne her stellt eine Reduktion nichts Anderes dar, als ein Zurückführen auf den Wurzelgrund: lateinisch „re-ducere“, d.h. „rück-führen“. So gesehen stellen Weidls Ausstellungswerke eine gegenständliche Übersetzung der mit orientalischem Religionslametta verzierten Bibelverse in die europäische Sprache der Neuzeit dar. Eine weitere Deutungstiefe bietet Weidl dadurch an, indem er bevorzugt in Anlehnung an Glieder einer Kette arbeitet, die für ihn – passend zum Thema Liebe – das Leben symbolisiert, wobei er selbst auf den kettenähnlichen Aufbau der DNA hinweist. Ebenso ist eine Kette nie starr, sondern ein Element der Beweglichkeit, die jedoch gleich der Liebe fesseln kann. Alles in Allem ein äußerst interessanter Gesamtkomplex, der zur Befassung geradezu herausfordert. Die Möglichkeit hierzu besteht bis Ende November Mittwoch bis Freitag von 11.00 bis 18.00 Uhr sowie Samstags von 10.00 bis 13.00 Uhr in der Gesandtenstraße.

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