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Noch immer keine Entscheidung aus Bern

Potenzielle Gurlitt-Erben bringen sich in Stellung

Freitag, 14 November 2014 17:54 geschrieben von  Susanne Hagel
Kunstmuseum Bern Kunstmuseum Bern Quelle: Kunstmuseum Bern

Bern - Bis Ende November muss sich das Kunstmuseum Bern äußern, ob es das umstrittene Gurlitterbe antreten wird oder nicht. Sollte das Museum das Erbe ausschlagen, würde es Gurlitts nähesten Verwandten zufallen. Diese erklärten nun, sie wollen in diesem Falle jegliche Raubkunst sofort an die rechtmäßigen Besitzer zurückgeben.

In einer Erklärung verkündete die Familie, man werde die "sofortige und bedingungslose Rückgabe von Raubkunst aus der Sammlung Cornelius Gurlitts im Einklang mit der Washingtoner Erklärung" veranlassen, sollte das Erbe an dessen Cousine Uta Werner und Dietrich Gurlitt fallen. Auch die Provenienzrecherche durch die Taskforce Schwabinger Kunstfund werde man vollumfänglich unterstützen und fortführen, heißt es in dem Text. Die rund 460 Bilder der "Entarteten Kunst", die in der Sammlung enthalten sind, wolle man geschlossen und dauerhaft an ein deutsches Museum geben um es auszustellen.

Cornelius Gurlitt war am sechsten Mai diesen Jahres verstorben und hatte testamentarisch verfügt, dass das Kunstmuseum Bern Alleinerbe seiner umfangreichen Kunstsammlung sei. "Fast ein Glücksfall" befand damals die Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Offenbar erwartete man große Schwierigkeiten mit Verwandten, wenn es um die Aufarbeitung der in der Sammlung vermuteten Raubkunst geht. Diese Sorge ist mit der Erklärung der 86- und 95-jährigen potenziellen Erben nun vom Tisch, liest sich ihre Erklärung fast wie die Vereinbarungen, die zwischen dem Museum und der Stadt Berlin getroffen werden sollen.

Als Intention geben die beiden ihre persönliche Geschichte an. Sie sind die Kinder des Bruders Willibald Gurlitt, Musikhistoriker seinerzeit. "Mutter und Großmutter der handelnden Personen, die Ehefrau von Willibald Gurlitt, war nach den NS-Rassegesetzen Volljüdin", heißt es in der Erklärung. Infolgedessen hatte die Familie selbst unter Verfolgung zu leiden. Man habe auch bereits Kontakt zu Anwälten von einigen jüdischen Vorbesitzern und den Anwälten des Berner Museums aufgenommen, ließ die Familie vermelden. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Familie das Erbe womöglich sogar anfechtet, sollte es in die Schweiz gehen. Offenbar hegt die Familie großes Misstrauen gegenüber der Arbeit der Taskforce: in ihrem Schreiben fordert sie größerer Transparenz und kündigt an, neben der Veröffentlichung aller Einzelwerke auch Hildebrand Gurlitts Geschäftsunterlagen im Internet veröffentlichen zu wollen. Die Familie wolle zudem eine andere Organisation beauftragen, sollte die Taskforce nicht effektiv genug arbeiten. Ingeborg Berggreen-Merkels Aussage, sie fürchte sich davor, dass Bern das Erbe ausschlage, welche die Kulturbeauftragte der Bundesregierung und Leiterin der Taskforce vor längerem machte, erscheint vor dieser Verlautbarung nun in etwas anderem Licht. Die Familie beklagte, Kontaktversuche ihrer Anwälte nach Berlin verliefen erfolglos. Man gehe davon aus, dass Bern das Erbe annehme, erklärte Grütters Sprecher Hagen Philipp Wolf. "Für Gespräche mit der Familie hat es keinerlei Anlass gegeben."

Am 26. November entscheidet der Stiftungsrat des Museums Bern über das Erbe. Bisher haben alle Schweizer Beteiligten verkünden lassen, der Ausgang sei völlig offen.

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