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Raubkunst oder nicht?

Präsident des Jüdischen Weltkongresses warnt Kunstmuseum Bern vor Gurlitt-Erbe

Montag, 03 November 2014 18:56 geschrieben von  Susanne Hagel
Präsident des Jüdischen Weltkongresses warnt Kunstmuseum Bern vor Gurlitt-Erbe Quelle: Kunstmuseum Bern

Magdeburg - Das Berner Kunstmuseum entscheidet demnächst darüber, ob es das Erbe des Kunsthändlersohnes Cornelius Gurlitt annehmen wird. In dessen Erbe werden mehrere Raubkunstwerke vermutet.

Der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt hinterließ seinem Sohn Cornelius eine spektakuläre Sammlung von Kunstwerken; unter anderem Bilder von Marc Chagall, Pablo Picasso und Henri Matisse. Diese waren im Februar 2012 in Gurlitts Wohnung in Schwabing gefunden und beschlagnahmt worden. Unter dem Namen "Schwabinger Kunstfund" wurde die über 1600 Kunstwerke, Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und weiteres weltbekannt. Nach seinem Tod am am 6. Mai vermachte der Kunstbesitzer seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern. Seither entbrannte in der Öffentlichkeit ein Streit über die Herkunft der Kunstschätze. Da Hildebrand Gurlitt seit 1933 Geschäfte mit den Nationalsozialisten machte, befinden sich in der Sammlung viele der aus den damaligen Museen unter dem Vorwurf sie seien "entartete Kunst" entfernte Werke. Kunstkenner vermuten zudem, ein Teil des Erbes könne Raubkunst in unbekannter Höhe enthalten.

Ronald Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, warnt deshalb das Kunstmuseum Bern davor, das Erbe von Cornelius Gurlitt anzunehmen. Die Berner Museumsleitung müsse bedenken, dass die Annahme des Erbes "die Büchse der Pandora öffnen und eine Lawine von Prozessen auslösen" könnte. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) berichtete über Verhandlungen der deutschen Regierung mit dem Museum in Bern. Sie wolle restlos die Herkunft der Gemälde aufklären, so wie es auch Gurlitt vor seinem Tod zugesichert habe und erwarte vom Museum in Bern im Falle einer Annahme aktive Mitarbeit, auch was die Rückgabe von Raubkunst angehe. "Ich bin überzeugt, wir werden zu einer guten und vernünftigen Lösung kommen", so Grütters. Lauder geht indes einen Schritt weiter und forderte, die Museen zu ahnden, die "Kunst regelrecht verstecken". Den Deutschen fehle es noch an Engagement bei der Provenienzforschung. "Der Eindruck, dass es schleppend läuft, täuscht leider nicht", pflichtete Grütters bei. Der Bund habe jedoch die Mittel der Provenienzforschung aktuell erst verdreifacht - und das, obwohl in Deutschland gerade strikter Sparkurs gefahren wird. Lauder fordert hingegen auch die gesetzliche Regelung zu ändern. "Die Rechtsgrundlage ist sehr wichtig. Die Amerikaner glauben, dass sich die deutschen Museen hinter der deutschen Gesetzeslage, die sie zu nichts zwingt, verschanzen", so der Präsident des jüdischen Weltkongresses.

Für eine Annahme des problematischen Erbes spricht, dass das Museum bisher nicht untätig blieb. Die Bedingung für eine Annahme beinhaltet einerseits, dass explizit geklärt wird, wie mit Bildern, die nachweislich durch die Nationalsozialisten unrechtmäßig von ihren Eigentümern beschlagnahmt worden, verfahren wird und andererseits fordern bereits jetzt zahlreiche deutsche Museen eine Rückführung der Kunstwerke die zur damaligen Zeit als "entartet" aus ihrem Besitz entfernt werden mussten. Als öffentliche Institution ist das Berner Museum gezwungen, im Falle einer Annahme der Sammlung laut den auch von der Schweiz unterzeichneten Washingtoner Prinzipien von 1998 alle Werke der Provenienzforschung zugänglich zu machen und gegebenenfalls auch einer Rückführung oder Entschädigungszahlung an die rechtmäßigen Besitzer zuzustimmen.

Der Stiftungsrat des Museums will am 26. November darüber entscheiden, ob er das Gurlitterbe annehmen will. Anfang Dezember läuft die gesetzliche Frist zur Ausschlagung ab.

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