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Archäologie

Rätsel um Externsteine noch immer ungelöst

Donnerstag, 12 März 2015 15:21 geschrieben von 
Externsteine Externsteine Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Daniel Schwen | CC BY-SA 2.5

Düsseldorf - Bei der am Wochenende durchgeführten Tagung von über einhundert Forschern und Geschichtsinteressierte zum Stand der Forschung über die Externsteine wurde vor allem eines klar: Was es mit den Externsteine auf sich hat, ist bis heute unklar.

Eingeladen hatte dazu die Schutzgemeinschaft Externsteine, das Lippische Landesmuseum und die Historische Kommission für Westfalen. Finanziert wurde die Tagung von der Stiftung Standortsicherung.

Der Direktor des Landesmuseums, Michael Zelle, berichtete, wie lückenhaft das Forschungsbild auch heute noch sei. Die ältesten Funde an der beeindruckenden Felsformation stammten demnach aus dem Mittelalter. Urkundliche Erwähnungen finden sich nur wenige. So gibt es Aufzeichnungen über einen von den Abteien Werden/Helmstedt geführten Hof etwas unterhalb der Steine, ebenso wie über eine spätere Einsiedelei. Die archäologischen Befunde aus den Dreißiger Jahren hingegen, die die Felsen als germanischen Kultplatz ausweisen, seien zweifelhaft.

Dafür passe der Stil des monumentalen Kreuzabnahmereliefs zu Bildnissen in der Lippstädter Marktkirche, wie Forschungen von Dr. Roland Pieper, Kunsthistoriker aus Münster, zeigten. Die Vermutung liegt nahe, dass das Geschlecht der Lipper das Relief in Auftrag gegeben haben könnten. Zum einen, weil sich die Externsteine um 1115 in ihrem Besitz befanden und zum anderen, weil die oben erwähnte Kirche von Bernhard II. Zur Lippe geweiht worden ist. Zuvor hatte bereits Dr. Helga Giersiepen von der Universität Bonn die Weiheinschrift der Hauptgrotte von 1115 untersucht und vermutet, sie könne tatsächlich echt sein.

Dr. Burkhard Steinrücken von der Westfälischen Volkssternwarte Recklinghausen stellte zudem seine Arbeit zur astronomische Bedeutung der beiden Steintürme vor. Durch das Rundloch in der Höhenkammer des Turmfelsens kann man zu bestimmten Zeiten den Sonnenaufgang beobachten. Zelle warnte jedoch davor, diesen Umstand vorschnell einer germanischen Zeit zuzurechnen, wie es in der Vergangenheit getan wurde. Ähnliche Phänomene gebe es auch in mittelalterlichen Kirchen, wie etwa in Erfurt, wo eine Marienfigur so aufgestellt ist, dass sie zu bestimmten Zeiten vom Licht der aufgehenden Sonne „erleuchtet“ werde.

Auch die Bremer Professorin Dr. Uta Halle verwies in ihrer Forschungsarbeit darauf, wie dünn die archäologische Wissensdecke zu den Externsteinen sei. Grabungen aus den Dreißiger Jahren seien fehlerhaft erfolgt oder „germanisch“ umgedeutet worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Felsformation zunächst einmal „verbrannte Erde“ für die Forscher gewesen, ergänzt Zelle. So gebe es Mutmaßungen, die Externsteine könnten statt eines germanischen Kultplatzes eine Heiliggrabanlage aus dem Mittelalter sein, ein symbolisches Jerusaleum für jene, die nicht reisen konnten.

Nun aber solle Schluss sein mit diesem lückenhaften Bild: der Direktor des Landesmuseums kündigte an, man wolle gemeinsam mit der Denkmalstiftung eine grundlegende Bauaufnahme nach aktuellen Methoden durchführen lassen. So könne man feststellen, was an den Steinen zu welchem Zeitpunkt von Menschenhand geschaffen worden sei. Zunächst müsse man jedoch noch finanzielle Unterstützer finden, so Zelle.

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