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Lesben-Pärchen abgewimmelt

Ratzeburg geht gegen Standesbeamten vor

Samstag, 13 Dezember 2014 03:03 geschrieben von  Johann W. Petersen
Ratzeburg geht gegen Standesbeamten vor Quelle: pixabay.com

Magdeburg - Weil sich ein Standesbeamter in Ratzeburg im Kreis Herzogtum-Lauenburg (Schleswig-Holstein) mit Verweis auf seine religiöse Einstellung geweigert hat, ein lesbisches Paar zu trauen, bekommt er nun ein Disziplinarverfahren an den Hals, wie die Stadt in einer Presseerklärung mitteilte. Der Beamte habe wenige Tage vor der geplanten Zeremonie angerufen und ihr nahegelegt, sich doch ein anderes Standesamt für die Eintragung ihrer Lebenspartnerschaft zu suchen, erklärte eine der beiden betroffenen Lesben, die Ratzeburger CDU-Stadträtin Lara Fabinski.

Der Lesben- und Schwulenverband Schleswig-Holstein reagierte empört auf den Vorfall. „Ich bin entsetzt. Das ist diskriminierend – schlimmer als in Bayern“, so Konstanze Gerhard, Vorstandsmitglied der Homo-Vereinigung. Auch der parteilose Bürgermeister Ratzeburgs, Rainer Voß, fiel seinem derzeit erkrankten Mitarbeiter in den Rücken. Diesem „stehen solche diskriminierenden Aussagen nicht zu“.

Kaum verwunderlich, dass das Lesben-Pärchen auch von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland Unterstützung erfuhr. „Nach meiner Glaubensentscheidung und meiner Kenntnis der Bibel spricht nichts gegen die Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares. Dies ist auch die Haltung der Nordkirche“, so Pröpstin Frauke Eiben, offenbar in Unkenntnis von Bibelstellen wie Gen 1,27 / 2,18.22-24 oder Röm 1,26-27.

Die CDU-Politikerin Lara Fabinski und ihre Freundin hatten den Fall zuvor über die „Lübecker Nachrichten“ publik gemacht und den Beamten scharf attackiert. „Wir fühlen uns diskriminiert. Er hat die homophoben Äußerungen auf Nachfrage nicht abgestritten.“ Für die beiden Lesben wurde nun aber doch noch alles gut. Sie haben sich mittlerweile von der Leiterin des Ratzeburger Standesamtes, die dafür extra aus dem Urlaub geholt wurde, verpartnern lassen. „Im nächsten Jahr werden wir uns auch kirchlich segnen lassen. Dabei wird es keine Probleme geben, denn der Pastor ist mein Cousin“, so Fabinski gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“.

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