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"Das Gesicht des Vernichtungskrieges“

Rommel, Hindenburg und Co. sollen weg: Historiker fordern Kasernen-Umbenennungen

Samstag, 14 Juni 2014 14:55 geschrieben von  Jens Hastreiter
Theodor Sproesser und Erwin Rommel im Kriegsjahr 1918 Theodor Sproesser und Erwin Rommel im Kriegsjahr 1918 Quelle: de.wikipedia.org

Berlin - Die bundesdeutsche Vergangenheitsbewältigung geht in die nächste Runde: Historiker fordern jetzt von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Umbenennung von Bundeswehr-Kasernen, weil diese Namen umstrittener Weltkriegsgeneräle trügen.

In einen Schreiben forderten dieser Tage rund 30 deutsche und internationale Geschichtswissenschaftler Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf, zahlreiche Kasernen umzubenennen. Manche Kasernen trügen noch die Namen von Offizieren des Ersten Weltkrieges, die sich Kriegsverbrechen hätten zuschulden kommen lassen oder extrem „nationalistische Ansichten“ vertreten hätten. 100 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges sehen die Historiker „Anlass zum Innehalten, Nachdenken und zur Neuorientierung".

Als Beispiele führen sie Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg oder General von Mudra an. Hindenburgs Vergehen: er ernannte Adolf Hitler zum Reichskanzler und machte sich dadurch indirekt am Holocaust mitschuldig. Und Mudra forderte 1918 einen neuen Krieg im Westen zur „endgültigen Abrechnung mit dem Erbfeinde".

In ihrem Schreiben nennen die Historiker – unter ihnen Jochen Böhler, Wolfram Wette, Manfred Messerschmidt und der Friedensforscher Werner Ruf – außerdem Standorte der Bundeswehr wie eine Kaserne in Hannover, die nach Otto von Emmich benannt ist. Der General habe im Ersten Weltkrieg als Kommandierender Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung in Belgien zu verantworten gehabt.

Im Bundesverteidigungsministerium verwies man nach Eingang des Schreibens auf eine bereits laufende Diskussion über Kasernennamen. Auch finde schon seit Jahren ein von Militärhistorikern begleiteter Dialog mit den Standorten und den Kommunen statt, der bereits zu mehreren Namensänderungen geführt habe.

Den Grünen liegt das Thema Kasernen-Umbenennung besonders am Herzen. Daher unterstützte deren Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger die Forderung der Historiker sofort. Sie sagte „Spiegel-online“: „Von der Leyen muß endlich eine umfassende Überprüfung der Namen von Bundeswehreinrichtungen einleiten. Kasernen einer Parlamentsarmee sollten nur die Namen von Persönlichkeiten tragen, die sich um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit verdient gemacht haben.“

Besonders Erwin Rommel ist den Grünen ein Dorn im Auge. Im Jahr 2012 forderte der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Omid Nouripour, eine Umbenennung aller noch immer nach Erwin Rommel benannten Bundeswehrkasernen. „Rommel ist das Gesicht des Angriffs- und Vernichtungskrieges von Nazi-Deutschland“, sagte er damals der „Bild“-Zeitung. In diese Tradition dürfe sich die Bundeswehr keinesfalls stellen.

Doch im Falle Rommel tut sich die Bundeswehr mit der Diskrepanz zwischen Traditionspflege und politischer Sensibilität schwer. So wird Rommel, der als „Wüstenfuchs" in die Geschichtsbücher einging, bis heute in Teilen der Bundeswehr als Held gesehen, der mit der nationalsozialistischen Regierung nicht viel zu tun hatte. Andererseits stieg er, obwohl nie Mitglied der NSDAP, in der Wehrmacht steil auf und soll nach Meinung einiger Historiker ein gutes Verhältnis zu Hitler gehabt haben. Bislang wurden nach ihm benannte Kasernen noch nicht umbenannt.

Letzte Änderung am Sonntag, 29 Juni 2014 13:57
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