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Der Lauscher im Wohnzimmer

Samsung warnt vor eigener Sprachsteuerung

Dienstag, 10 Februar 2015 01:51 geschrieben von 
Logo von Samsung Electronics Co. Ltd. Logo von Samsung Electronics Co. Ltd. Quelle: samsung.com

Magdeburg - Samsung warnt seine Käufer von Smart-TVs  sich bei der Nutzung der Sprachsteuerung darüber bewusst zu sein, dass ihre Worte aufgezeichnet werden – auch die, die nicht der Steuerung des Fernsehers dienen.

„Bitte seien Sie sich bewusst, dass Ihre gesprochenen Worte aufgezeichnet und an einen Drittanbieter geschickt werden“, heißt es in den Lizenzvereinbarungen der Fernsehgeräte. „Samsung ist nicht verantwortlich dafür, wie diese Drittanbieter Privatsphäre- und Sicherheitsmaßnahmen umsetzen.“ Samsung nehme die Privatsphäre seiner Nutzer sehr ernst, liess das Unternehmen erklären. Die aufgenommenen Daten würden den Drittanbietern in verschlüsselter Form übermittelt.

Eine Garantie, dass mit den Aufnahmen kein Missbrauch getrieben werde, sei jedoch nur das Abschalten der Spracherkennungsfunktion.

Weil man sich bei diesen Äußerungen unweigerlich an George Orwells „1984“ erinnert fühlt, schlagen die Wellen hoch. Einmal mehr bietet sich der Anlass über die unverhältnismäßig große Datensammelleidenschaft der Konzerne zu erregen. Einmal mehr wird dem Nutzer bewusst, wie wenig privat er in Gegenwart der neuesten hochtechnologischen Geräte wie Smartphone, Computer und Fernseher ist.

Es ist längst gängige Praxis, dass Geräte, und nicht nur die, die mittels Sprachsteuerung bedient werden, Daten erfassen, sammeln und meist weitergeben. Während die meisten Unternehmen dies einfach mit technischer Notwendigkeit rechtfertigen, ist Samsung einfach ein kleinwenig ehrlicher und direkter zu seinen Kunden. Samsung deshalb als Sündenbock hinzustellen, wird der Sache nicht gerecht.

Vielmehr bietet dies Anlass, sich einmal mehr bewusst zu machen, wie nah wir bereits an der Orwellschen Realität sind. Und wie freiwillig wir uns hineinbegeben für ein wenig mehr Luxus. Wie viele unserer Daten ein jeder von uns tagtäglich preisgibt, um Teil zu sein in einer vernetzten Welt, die uns den Schein vorgaukelt, modern, individuell und Teil einer Gruppe zu sein, die außerhalb des virtuellen Raumes nur fragmentarisch existiert.

Neben unseren Daten geben wir aber noch viel mehr auf: Soziale Netzwerke ersetzen Gemeinschaften und Freizeitaktivitäten. Das einzig soziale daran steckt im Namen, denn in der Realität sind sie das beste Mittel der Wahl um über kurz oder lang große Teile des eigentlichen sozialen Lebens zu minimieren. Die gefressenen Daten erscheinen dann angesichts dessen, welchen Stellenwert ein solches Netzwerk im Leben bereits hat, als kleineres Übel.

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