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Als Protest gegen „alte und neue Nazis“

Sohn des sächsischen Wirtschaftsministers verhöhnt Dresdner Bombenopfer

Freitag, 20 Februar 2015 22:46 geschrieben von 
Die Luftangriffe zerstörte Innenstadt Dresdens Die Luftangriffe zerstörte Innenstadt Dresdens Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Bundesarchiv, Bild 183-Z0309-310 / G. Beyer | CC BY-SA 3.0

Dresden - Der Sohn des sächsischen Wirtschaftsministers und Landes-SPD-Chefs Martin Dulig sorgte mit einem äußerst geschmacklosem Beitrag auf seiner Facebookseite für reichlich Kritik. Johann Dulig, selbst SPD-Kreistagsabgeordneter und Chef der Meißner Jusos, veröffentlichte ein Bild eines Bombers über dem zerstörtem Dresden mit den Sätzen: „Pyro-Technik ist kein Verbrechen!!! Deutsche Kurven abfackeln!!!“

Es sollte ein Protest sein gegen „alte und neue Nazis“, erklärte der SPD-Politiker. Dresden sei eben auch Täterstadt gewesen. Sollte er damit Opfer verletzt haben, entschuldige er sich dafür. Der wenig intelligente Beitrag soll nun in einer Sitzung der SPD-Kreistagsfraktion thematisiert werden. Rücktrittsforderungen seien bereits geäußert worden.

„Das war ganz einfach eine nicht akzeptable Äußerung“, kritisierte auch Margot Fehrmann, die Vorsitzende der CDU-Fraktion. Ihrer Meinung nach könne man diese Entgleisung nur durch Unbedachtheit des 20-Jährigen erklären. „Vermutlich weiß er nicht, was Krieg bedeutet.“

Auch die Linken-Fraktionschefin Bärbel Heym versucht sich den Vorfall mit „jugendlichem Geltungsbedürfnis“ zu erklären. „Das war völlig daneben!“ Weder sei die Veröffentlichung des Bildes nachvollziehbar, noch Duligs anschließende Begründung, warum er das Bild veröffentlichte.

„Ich verstehe diese Aussage überhaupt nicht. Die ist mir einfach zu dumm“, sagte die Vorsitzende der FDP-Kreistagsfraktion Anita Maaß. Zwar seien auch provokante Äußerungen durch die Meinungsfreiheit gestattet, als Kreistagsmitglied habe Dulig jedoch auch eine politische Verantwortung und müsse wissen, was man wie sagt. „Dieses Niveau ist für mich einfach nicht nachzuvollziehen.“

Die Nachwuchsorganisation der AfD, die Junge Alternative, erklärte, Dulig entwürdige mit solchen Aussagen Zehntausende ziviler Todesopfer und deren Angehörige. Sie forderte den sofortigen Rücktritt des Politikers. „Dieses Verhalten von Johann Dulig ist menschlich und politisch betrachtet in höchstem Maße verwerflich“, erklärten die Landesvorsitzende Franziska Schreiber und der Meißner Kreisvorsitzende Peter Beier. „Ich frage mich, wie Martin Dulig die sächsische Wirtschaft im Griff haben will, wenn er noch nicht einmal seinen eigenen Sohn unter Kontrolle hat. Die SPD im Freistaat sollte ihr Verhältnis zur Unantastbarkeit der Menschenwürde klären.

Ein derartiges Benehmen ist eines Kreisrates absolut unwürdig. Von jemandem, der solche Ansichten vertritt, werden sich die Bürger im Landkreis nicht länger vertreten fühlen. Kommunalpolitische Arbeit heißt, sich hintergründig mit Politik zu beschäftigen und nicht solche dumpfen und menschenverachtenden Parolen zu äußern.“

Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen sich für den Sohn des Wirtschaftsministers ergeben. 

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