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Deutsch als Wissenschaftssprache "so gut wie ausgestorben"

TU München will Masterstudiengänge nur noch auf Englisch anbieten

Freitag, 25 Juli 2014 09:44 geschrieben von  Jens Hastreiter
TU München will Masterstudiengänge nur noch auf Englisch anbieten Quelle: cironet.eu

München - Wolfgang Herrmann, der Präsidenten der Technischen Universität München will alle Masterstudiengänge seiner Fakultät auf Englisch umstellen. Das geht aus einer Besprechung mit dem Hochschulrat hervor. Während die Bachelorstudiengänge vorerst auf Deutsch bleiben sollen, strebt Herrmann die Umstellung aller 99 Masterfächer in die englische Sprache an. Derzeit würden rund ein Drittel bereits in dieser Fremdsprache unterrichtet. "Englisch ist die lingua franca in Wissenschaft und Wirtschaft", sagt Herrmann. "Es ist Aufgabe einer Hochschule, die Studenten darauf vorzubereiten." Nur so könne die TU langfristig im internationalen Wettbewerb mithalten. Die Umstellung soll bis 2017 erfolgen. Während der Hochschulrat zunächst verhalten reagierte und eine Umstellung bis 2020 für ausreichend hält, regt sich Unmut unter den Studenten. Diese kritisieren den darin enthaltenen Zwang. Der tue nicht Not, denn wer möchte, könne bereits jetzt englischsprachig seinen Abschluss machen. Sie plädieren dafür, dass jede Fakultät selbst entscheiden darf, in welchen Sprachen sie ihren Unterricht anbietet.

Während Herrmann die deutsche Sprache in den Naturwissenschaften, insbesondere den Ingenieurwissenschaften, als überholt ansieht, appelliert der Münchner Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer (CSU) in einem offenen Brief an den TU-Präsidenten diese auch in den Wissenschaften zu pflegen. "Wenn der Eindruck entstünde, Deutsch in der Ingenieurwissenschaft sei nicht mehr zeitgemäß (...), wäre das ein falsches Signal." Auch der bayerische Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle äußerte sich kritisch: er befürchtet, die Umstellung in eine Fremdsprache könne "eine Entwicklung fördern, die Deutsch trotz seiner Bedeutung im weltweiten Kontakt weiter zurückdrängt. Daran kann einer Kulturnation nicht gelegen sein".

Weiterhin steht zu befürchten, dass die TU München dann für deutsche Studenten unattraktiver und dafür umso attraktiver für ausländische Studenten wird. Es sei eine interessante Frage, wie viele Studenten aus dem Ausland das System verträgt, merkt Herrmann an. Dass die kostenfreien Studiengänge, wenn sie auf Englisch gehalten werden, besonders nichtdeutsche Studenten ansprechen dürfte, liegt auf der Hand. Man müsse darüber entscheiden, ob gegebenenfalls eine Quote "für Studenten aus Deutschland und der EU einerseits und für Studenten aus aller Welt andererseits" eingeführt werden sollte. Er habe auch nichts dagegen, wenn Studenten aus Nicht-EU-Ländern einen angemessenen Preis für das Studium bezahlten, räumt er ein um den Vorwurf, ein kostenfreies Paradies für Ingenieursanwärter aus der ganzen Welt zu schaffen, zu entkräften. Dies wäre im Vergleich mit anderen hochkarätigen Universitäten durchaus üblich und könne sogar eine weitere Geldquelle für die TU werden.

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