www.derfflinger.de

Freigegeben in Boulevard

Deutsche Konkurrenz zu Netflix?

TV-Produzenten und ARD denken über gemeinsamen Onlinedienst nach

Mittwoch, 15 Oktober 2014 19:01 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Logo der ARD Logo der ARD Quelle: ARD

Hamburg - Der Einstieg des US-Videoanbieters Netflix in den deutschen Streaming-Markt hat offenbar die Fantasie heimischer Unterhaltungsunternehmen beflügelt. Wie nun bekannt wurde, planen verschiedene TV-Produktionsfirmen wie Brainpool („TV Total“) und Beta Film („Unsere Mütter, unsere Väter“) gemeinsam mit einem Tochterunternehmen der öffentlich-rechtlichen Medienanstalt ARD offenbar die Schaffung einer deutschen Online-Plattform, die in Konkurrenz zu Anbietern wie Netflix, Maxdome, Watchever oder Amazon Prime treten soll.

Gegenüber dem „Handelsblatt“ erklärte dazu ein mit dem Projekt befasster Branchen-Insider: „Wir prüfen derzeit, ob es möglich ist, ein wirtschaftlich tragfähiges Angebot zu entwickeln, das kartellrechtlich unproblematisch ist.“

Das ist auch dringend notwendig, denn bereits 2011 scheiterte ein ähnlicher Versuch am Veto des Bundeskartellamtes. Damals wollten sich die TV-Produzenten mit ARD und ZDF zur Online-Videoplattform „Germany’s Gold“ zusammenschließen. Die Wettbewerbshüter signalisierten jedoch von Anfang an, dass sie einer solchen Liaison nicht zustimmen würden, da sich sowohl die ARD als auch das ZDF, die eigentlich Wettbewerber seien, an dem Projekt beteiligen wollten. Schon zuvor hatten die Kartellwächter aus genau diesem Grund eine gemeinsame Plattform von RTL und ProSiebenSat1 untersagt.

Die an dem neuen Projekt Beteiligten möchten allerdings in ihrem Angebot nicht auf ZDF-Produktionen verzichten. Da immer mehr Produzenten die Rechte ihrer Filme und Serien zur Online-Verwertung nicht den Sendern überlassen, wäre dies möglicherweise auch realisierbar. Das betrifft allerdings nur einen Teil der Produktionen, die im „Zweiten“ laufen. Auf einen Großteil müsste der neue Anbieter verzichten.

Ob auch eigens für den Online-Bereich produzierte Serien geplant sind, wie sie Netflix beispielsweise mit „House of Cards“ anbietet, wurde noch nicht bekannt. Zunächst einmal lasse man die Angelegenheit von Juristen prüfen. Das Bundeskartellamt wurde noch nicht in die Pläne involviert. Bekomme man dann nicht ein attraktives Angebot zusammen, könnte das Projekt letztendlich auch daran scheitern. Ob Netflix & Co. also demnächst deutsche Konkurrenz bekommen, hängt noch von einigen Entscheidungen ab.

Letzte Änderung am Mittwoch, 15 Oktober 2014 20:57
Artikel bewerten
(2 Stimmen)