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Ukraineberichterstattung als einseitig empfunden

Umfrage offenbart: Deutsche misstrauen der Presse

Freitag, 26 Dezember 2014 16:28 geschrieben von  Susanne Hagel
Logo von YouGov Logo von YouGov Quelle: wikipedia.org

Köln - Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Kölner Institut YouGov für Zeit online durchführte, glauben 47 Prozent der gefragten Bürger, die Medien berichteten einseitig und seien von der Politik gelenkt. Den Ergebnissen zufolge sind nur vierzig Prozent überzeugt, die Presse in Deutschland berichte objektiv und unabhängig.

Vor allem im Osten der Bundesregierung misstraut die Bevölkerung den Meldungen der Zeitungen und des Fernsehens. Mehr als jeder Zweite, in Zahlen 55 Prozent, zweifeln hier an der Objektivität und Unabhängigkeit der Medien und empfinden diese als einseitig und politisch beeinflusst. Mitnichten sind es, so das Ergebnis der Umfrage, jedoch die weniger Gebildeten, die Zweifel an der Berichterstattung äußern, so wie dies gern vor allem im Zusammenhang mit den "Lügenpresse"-Ausrufen der PEGIDA-Anhänger von der Presse suggeriert wird. Stattdessen wies die Befragung nach, dass das Misstrauen mit der Höhe des Bildungsabschlusses und auch des Einkommens zunimmt. So sei die Zahl der Zweifler an der Objektivität am höchsten unter den Befragten mit Abitur und Hochschulabschluss, sowie dem höchsten monatlichen Einkommen. Auch die Parteipräferenzen wurden im Rahmen der Umfrage erfasst: Wähler der Linken, der AfD (je 63 Prozent) und der FDP (59 Prozent) kritisierten die Einseitigkeit und fehlende Objektivität demnach wesentlich öfter als die Anhänger der CDU, SPD und den Grünen.

Bezüglich des Ukrainekonflikts befragt, äußerten 14 Prozent der Bürger, der Westen sei für die Entwicklung hauptverantwortlich. 37 Prozent halten sowohl die USA im Verbund mit den westlichen Ländern, als auch Russland für gleichermaßen in der Verantwortung stehend. Nur vierzig Prozent sehen den russischen Präsidenten Wladimir Putin als treibenden Keil. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den ost- und westdeutschen Ländern der Bundesrepublik. Während im Osten jeder Fünfte die sanktionierende Handlungsweise des Westens als Hauptursache für die Spannungen mit Russland ansieht, teilen nur zwölf Prozent der Westdeutschen diese Sicht. Dafür sehen hier 42 Prozent die Hauptschuld bei Putin, im Osten liegt die Zahl bei 30 Prozent. Insgesamt fürchten 14 Prozent der Befragten in ganz Deutschland, dass die Entwicklungen zu einem Krieg in Europa führen werden. 62 Prozent verneinten laut den Umfrageergebnissen eine Kriegsgefahr. 24 Prozent seien in dieser Frage unsicher und machten keine Angabe. Auch hier war der Anteil derjenigen, die eine drohende Kriegsgefahr sehen, im Osten deutlich höher (20 Prozent).

Erst kürzlich hatten 64 prominente Vertreter aus Politik und Kultur vor einem Krieg mit Russland gewarnt und zu mehr objektiver Berichterstattung aufgerufen. Sie attestierten der deutschen Presse eine einseitige Berichterstattung zuungunsten Russlands und prangerten diesen Umstand als gefährlich an. Auch die PEGIDA-Demonstranten skandierten auf ihren Veranstaltungen immer wieder Rufe wie "Lügenpresse" und verweigern kategorisch Gespräche mit der Presse.

Für die Umfrage wurden zwischen dem 19. und 22. Dezember 1.043 Personen befragt. Kurz zuvor erst veröffentlichte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap im Auftrag des NDR-Magazins "Zapp" eine Umfrage unter 1.002 Bundesbürgern und kam dabei zu dem Ergebnis, dass nur noch 29 Prozent "großes Vertrauen" in die Medien haben. Während es im April 2012 noch vierzig Prozent gewesen seien, die angaben, die deutsche Presse für objektiv und unabhängig zu halten, sank das Vertrauen der Bevölkerung somit rapide. Vor allem die Berichterstattung im Zuge der Ukrainekrise, stellte die Befragung fest, stimmt die deutschen Bürger offenbar skeptisch. So gaben 63 Prozent an, "wenig oder gar kein Vertrauen" in die deutschen Veröffentlichungen zum Thema zu haben. Fast jeder dritte Befragte erklärte, er halte die Medien für zu einseitig beziehungsweise für nicht objektiv. Nahezu jeder fünfte glaubt sogar, die Medien betreiben eine bewusste Fehlinformation des Volkes. Auch die "Zapp"-Redaktion stellte fest: "Das mangelnde Vertrauen geht dabei quer durch alle Alters- und Einkommensgruppen, ist unabhängig von Geschlecht und Wohnort und wirkt sich offenbar negativ auf die Wahrnehmung der Medien insgesamt aus."

Letzte Änderung am Freitag, 26 Dezember 2014 16:29
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