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Ostbayerischer Kulturraum

Weniger Besucher von Schlösser und Burgen in Ostbayern

Donnerstag, 10 März 2016 12:55 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Dr. Markus Söder Dr. Markus Söder Quelle: bayern.landtag.de

Nürnberg – Der bayerische Staatsminister für Finanzen ist auch bzw. soll auch Heimatminister sein und verfügt als solcher über einen zweiten Dienstsitz in Nürnberg im Gebäude der alten Bayerischen Staatsbank. Ob es für ein Heimatministerium angebracht ist, in einem Bau zu residieren, das von einem prägenden Nachkriegsarchitekten modernisiert wurde, der sich an internationalen Vorbildern orientierte, mag nachvollziehbar strittig sein. Neben dem schnellen Internet und dem digitalen Bildungsnetz, das sich der Heimatminister auf die Fahnen geschrieben hat, ist er aber auch für die Schlösserverwaltung zuständig. Und man möchte meinen, damit tourismuspolitisch ein gewichtiges Pfund in der Hand zu haben. Umso mehr muss die Frage gestellt werden, woran es liegt, wenn die Ergebnisse weit hinter den Erwartungen zurückstehen. Womöglich ist die Vermarktung nicht ausreichend oder sind die Restaurationsarbeiten ungünstig abgestimmt und mindern die Attraktivität von Besuchen oder versagt die Kulturpolitik dabei, das Interesse am Erleben von Tradition und Landesgeschichte erfolgreich zu vermitteln? Fest steht jedoch, dass hier touristisches und identitätsstiftendes Bildungspotential verschenkt wird.

Die ostbayerischen Schlösser und Burgen verzeichneten deutlich weniger Besucher im vergangenen Jahr als üblicherweise. An der Befreiungshalle bei Kelheim finden zwar Sanierungsarbeiten statt, diese werden jedoch ohne temporäre Schließung durchgeführt. Nichtsdestotrotz mag evtl. die zeitliche Planung dennoch suboptimal sein. Fest steht zumindest, dass im vergangenen Jahr mit etwa 104 000 Besuchern um gut ein Viertel weniger als noch im Jahr 2014 auf den Michelsberg kamen. Die jüngste Besucherstatistik der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung von CSU-Minister Söder brachte aber nicht nur bezüglich der Befreiungshalle keinen touristischen Befreiungsschlag. Denn einen spürbaren Rückgang der Besucherzahlen musste man ebenso auf Burg Trausnitz in Landshut und dem Altmühltaler Schloss Prunn verzeichnen. Die Stadtresidenz der niederbayerischen Bezirkshauptstadt Landshut wies zwar im ostbayerischen Raum als einzige in 2015 einen gegenläufigen Besuchertrend auf, kann jedoch mit ihren etwa 3000 zusätzlichen Besuchern den Gesamtschnitt kaum beeinflussen.

Für das laufende Jahr setzt der CSU-Minister nach eigenem Bekunden insbesondere auf die Walhalla bei Donaustauf im Raum Regensburg, wo er sich die 100 000 Besucher erhofft. Besagter Ruhmestempel fiel erst zu Beginn dieses Jahres in Söders Verantwortungsbereich, so dass die 2015er-Zahlen in seiner Statistik noch nicht enthalten sind. Man darf nun auf die künftigen Vermarktungsstrategien gespannt sein, insbesondere inwiefern die Vernetzung mit regionalen Sehenswürdigkeiten gelingen wird.

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