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"Weil wir immer noch besetzt sind“

Wieder einer schert aus dem Mainstream aus: Der „Spiegel“ schießt sich auf Xavier Naidoo ein

Dienstag, 26 August 2014 17:23 geschrieben von  Jens Hastreiter
Xavier Naidoo Xavier Naidoo Quelle: hauser-kaibling.at | www.stefan-pflanzl.at

Hamburg - Der als „Deutsch-Rapper“ bekannt gewordene Popsänger Xavier Naidoo wird den bundesdeutschen Mainstream-Medien immer verdächtiger. Er paßt offenbar immer weniger in die herrschende Werte-Landschaft.

Schon Naidoos angebliches „Gottes-Gewimmer, das in atheistischen Zeiten schon als Glauben durchgeht“, ist einem bundesdeutschen Leitmedium wie dem „Spiegel“ zutiefst suspekt. Aber jetzt wittert das Flaggschiff des deutschen Meinungsjournalismus noch ungleich Schlimmeres: Naidoo soll sich verdächtig machen, der deutschen Öffentlichkeit die gleiche schwer faßbare und politisch lagerübergreifende Botschaft unterzujubeln wie die jüngsten Montagsdemonstrationen. Auch diese werden von den etablierten Medien bestenfalls nur mit ganz spitzen Fingern angefaßt.

Tatsächlich ist Xavier Naidoo jüngst auf der Montagsdemo in Mannheim aufgetreten und gab dort Gedanken von sich, die auf den wenigen noch nicht wieder auf Mainstream-Linie gebrachten Demonstrationen, die es noch gibt, ansonsten des öfteren zu hören sind. Der „Spiegel“ raunt, da würden „Verschwörungstheorien, Demokratiefeindlichkeit, Nationalismus, Antiamerikanismus, Antikapitalismus und Friedensgeraune zu einer dunklen Suppe verrührt“.

Tatsächlich zitiert der „Spiegel“ Naidoo mit Aussagen wie: „Hat Deutschland eine Verfassung? Ist Deutschland noch besetzt? Tut die NSA gar nichts Verbotenes, sondern darf er das eigentlich sogar, weil die Deutschen es ihr per Gesetz erlauben? Weil wir eigentlich gar kein richtiges Land sind. Weil wir immer noch besetzt sind.”

Solche Gedankengänge gehen beim „Spiegel“, der journalistisches Fleisch vom Fleisch der Bundesrepublik ist und seine Redakteure bekanntlich seit Jahrzehnten auf die Treue zur westlichen Wertegemeinschaft und zur Sache Israels einschwört, natürlich gar nicht. Prompt wird eine weitere verfängliche Aussage von Naidoo ausgekramt, schon von 2011, damals in einem „harmlosen Interview“ mit dem Morgenmagazin der ARD, das plötzlich durch ihn eine geradezu unheilvolle Wendung erfahren habe. Damals war er gefragt worden, ob er sich frei fühle in Deutschland, weil das Lied, um das es gerade ging, „Freiheit” hieß, und Naidoo gab zur Antwort: „Aber nein, wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land! Deutschland hat noch keinen Friedensvertrag und ist dementsprechend auch kein echtes Land und nicht frei.”

Angesichts einer solchen Kontinuität gibt es für den „Spiegel“ kein Halten mehr – der ebenso sympathische wie erfolgreiche Deutsch-Rapper kann nur ein klammheimlicher Überzeugungstäter sein und alle, die ihm zuhören, fehlgeleitete Demokratiefeinde. Hört sich beim Magazin aus „Hamburg“ so an:

„Und so ist Xavier Naidoo eben auch ein Beispiel dafür, wie sich Gedanken des christlichen und sonstigen Fundamentalismus in den Mainstream schleichen und wie sie sich dort verbreiten: ´Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht´, heißt es in dem Song ´Wo sind´, den er 2012 gemeinsam mit dem Rapper Kool Savas als Hidden Track veröffentlichte...“

Der „Spiegel“ hat jetzt Blut geleckt. Viel fehlt nicht mehr, und Xavier Naidoo findet sich in einer Ecke mit Thilo Sarrazin, Eva Herrmann, dem „Compact“-Herausgeber Jürgen Elsässer und einer Reihe weiterer prominenter Opfer des Mainstreams. In einer Gesellschaft, die den freien Austausch der Argumente stillschweigend immer weiter einengt, kann das aber eigentlich nur ein Kompliment sein.

Letzte Änderung am Dienstag, 26 August 2014 18:15
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