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Kunsthighlights in der Schweiz

Zürich und Winterthur - Japonismus und Impressionismus

Dienstag, 31 März 2015 15:39 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Oskar Reinhart (1885–1965) Oskar Reinhart (1885–1965) Quelle: museumoskarreinhart.ch

Winterthur - In der Schweiz bieten sich dem kunstsinnigen Zeitgenossen zwei Ausstellungen zum Besuche an, die in mancher Hinsicht eine sich ergänzende Funktion zu erfüllen imstande sind, wenngleich sie auch unabhängig voneinander agieren und dem kein vorab geplanter konzeptioneller Impetus vorangeht. Bis 10. Mai zeigt das Kunsthaus Zürich seine Schau „Monet, Gauguin, van Gogh...Inspiration Japan“, die die Bedeutung des sogenannten Japonismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts herausstellt. Und bis zum 07. Juni 2015 ist in Winterthur die Ausstellung „Victor Chocquet, Freund und Sammler der Impressionisten Renoir, Cézanne, Monet, Manet“ aus der Sammlung Oskar Reinhart zu bewundern.

In Zürich liegt der Fokus der etwa 400 gezeigten Exponate auf den Zeitraum von 1860 bis 1910, der als der Höhepunkt des Japan-Fiebers anzusehen ist, nachdem sich das Land nach ca. 200 Jahren seiner Außenwelt wieder öffnete. Arrangement und Blickachsen der Ausstellung sind wie die gezeigten Werke selbst darauf angelegt, verschiedene Wahrnehmungswelten aufzuzeigen. Die Schau zielt darauf ab, dem Anspruch einer Schule des Sehens gerecht zu werden. Thematisch auf den Japonismus bezogen ist dies seit 1988 die erste Spezialausstellung dieser Art. Und da von der seinerzeitigen Japan-Euphorie Künstlergrößen von Rang und Namen ergriffen wurden, spiegelt sich dies folglich auch in der gezeigten Werkauswahl nieder. Gauguin war vom japanischen Blickwinkel inspiriert, Vincent van Gogh begann gleich den Asiaten mit dem Licht zu arbeiten, um Objekte in fremde Farben eintauchen zu lassen, ebenso waren Vallotton, Cézanne, Monet und Degas der Faszination Japan künstlerisch erlegen, weshalb in der Fachwelt unstrittig dem Japonismus sein wesentlicher Einfluß auf die klassische Moderne zugesprochen wird. Seit vielen Jahren nicht mehr öffentlich ausgestellt war das nun in Zürich zu sehende Porträt des Farbenhändlers Pére Tanguy von van Gogh. Darüber hinaus befindet sich Monets „Seerosenteich“ von 1899 in der Ausstellung oder dessen Felsenbilder, die in einen Vergleich zu Hiroshige gestellt werden. Auf die selbe Weise werden dem Besucher Hokusais „Große Welle“ in Bezug zu Courbets „Wogen“ nähergebracht oder Utamaro anhand der ähnlichen Frauenbilder von Degas. In den Zeitraum des Ausstellungsfokus fällt auch das Schaffen keines Geringeren als James Tisson, der ebenfalls unter den Exponaten zu finden ist.

Es war lange unbekannt, daß die Verschmelzung europäischer und japanischer Kunstästhetik nicht erst in der Phase des Japonismus im 19. Jahrhundert ihren Ausgang nahm, sondern bereits viel früher in umgekehrter Richtung ihren Anfang fand. Die Technik, Details in den Vordergrund rücken und Objekte winzig im Hintergrund verschwinden zu lassen, ist ein Erbe der aus der Renaissance stammenden europäischen Zentralperspektive, die japanische Künstler einst von den Niederländern nachahmten. Als Zugabe findet am 26. April im Rahmen der Ausstellung ein Konzert unter dem Motto „Inspiration Japan“ statt, bei dem Werke japanischer Komponisten solchen gegenübergestellt werden, die unter dem Einfluss japanischer Kunst entstanden. Beispielsweise wird Musik von Claude Debussy und Maurice Ravel zu hören sein.

Die Oskar Reinhart-Sammlung in Winterthur widmet sich dem impressionistischen Schaffen von Cézanne, Monet, Courbet, Delacroix und anderer, die durchaus ebenso mit Lichtstimmungen arbeiteten. Zu studieren ist dies beispielsweise an Monets „Marée montante“ oder „Le naufrage“ von Delacroix und Courbets „Pierre Dupont“, die gezeigt werden. Besonderheit gewinnt die Ausstellung in Winterthur auch dadurch, daß viele der kleinformatigen Exponate aus der ursprünglichen Sammlung des dem Impressionismus verfallenen Victor Chocquet zum ersten Mal öffentlich in einer Ausstellung dargeboten werden. Im Zentrum der Schau, die seit der Auflösung der Chocquet-Sammlung ebenfalls erstmals deren wichtigste Porträts wieder zusammenführt, steht der Chocquet-Freund Cézanne. Der Impressionismus stellte für Victor Chocquet eine aus der europäischen Tradition hervorgegangene Innovation dar. - Für Kunstfreunde bietet sich die Schweiz für das Frühjahr 2015 als attraktives Reiseziel an.

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