www.derfflinger.de

Freigegeben in Politik

Christian Wulff sei eine "Null"

Äußerungen von Altkanzler Kohl lassen tiefe Einblicke in das politische Innenleben zu

Freitag, 10 Oktober 2014 16:31 geschrieben von  Torsten Müller
Helmut Kohl (2012) Helmut Kohl (2012) Bild: Konrad Adenauer Stiftung - Marie-Lisa Noltenius | CC BY 2.0

Ludwigshafen - Auch vor den nun veröffentlichten Zitaten des Altkanzlers Helmut Kohl wusste man, dass es Politiker in Deutschland gibt, die von ihrer direkten Umgebung nicht viel halten und ihr Umfeld beleidigen und demontieren. In diesem Zusammenhang gibt es unter anderem Anekdoten von der amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) und vom Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD).

Der Journalist Heribert Schwan wollte und sollte die Memoiren Kohls zu Papier bringen. Dafür traf er sich in den Jahren 2001 und 2002 über hundertmal mit Kohl und zeichnete über 600 Stunden Gesprächsstoff auf. Diese Jahre waren für Kohl nicht leicht, stolperte er doch im Jahr 2000 über die CDU-Spendenaffäre und musste er im Jahr 2001 den Selbstmord seiner Ehefrau Hannelore verkraften.

2009 zerstritten Kohl und Schwan sich, weshalb es nun gegen den Willen Kohls zur Veröffentlichung auch der eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Äußerungen Kohls kommt. Obwohl Kohl gegen Schwan vor Gericht gewann und dieser ihm die Interview-Bänder aushändigte, hat Schwan sie nun für seine Kohl-Biographie verwendet. Im Vorfeld der Übergabe waren die Gesprächsinhalte längst abgetippt worden.

Doch um welche Zitate geht es konkret? Besonders übel aufstoßen müssen seine Äußerungen zur Bedeutung der Montagsdemonstrationen im Wiedervereinigungsprozess. So sagte Kohl: „Es ist ganz falsch, so zu tun, als wäre da plötzlich der Heilige Geist über die Plätze in Leipzig gekommen und hat die Welt verändert.“ Dieser Gedanke sei dem „Volkshochschulhirn von Thierse“ entsprungen. Auch die amtierende Bundeskanzlerin Merkel bekommt ihr Fett weg: „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte sich bei den Staatsessen herum, sodass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musste.“ Und weiter: „Die Merkel hat keine Ahnung.“

Norbert Blüm, früherer Bundesarbeitsminister, der den Deutschen seinerzeit vorgaukelte, dass die Renten sicher seien, wird auch mit nicht sehr freundlichen Worten beschrieben: „Da muss bei Blüm das Wort rein: Verräter. In irgendeiner Form. Im Lichte der Ereignisse frage ich mich heute, wie ich mich so in seinem Charakter täuschen konnte.“ Der spätere Bundespräsident Christian Wulff (CDU) wird als „ein ganz großer Verräter“ und als „Null“ bezeichnet.

Ob es nur situationsgebundene Wut über seine eigene Situation war oder die Zitate tatsächlich ein großes Fünkchen Wahrheit in sich tragen, bleibt letztlich der Einschätzung des politischen Betrachters überlassen. Auf jeden Fall lassen die Äußerungen tiefe Einblicke in das Innenleben der großen Politik zu, das offenbar durch Zwietracht und Missgunst gekennzeichnet ist.

Artikel bewerten
(3 Stimmen)