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Auslieferung verzögert sich

„Geschichte der Neuen Rechten“: Verlag muss nachbessern

Mittwoch, 15 Oktober 2014 19:13 geschrieben von  Johann W. Petersen
Buch: Sebastian Maaß Buch: Sebastian Maaß Verlag: Kieler Regin-Verlag

Magdeburg - Mit der Auslieferung des mit Spannung erwarteten Buches „Die Geschichte der Neuen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland“ des Historikers Sebastian Maaß kann es noch ein wenig dauern. Zwar boten sowohl der Webshop des Kieler Regin-Verlags als auch verschiedene Anbieter auf Amazon Marketplace die erste umfassende Studie zu jener politischen Strömung kurzzeitig an, doch schon wenige Tage nach Veröffentlichung verschwanden die Angebote urplötzlich wieder aus dem Netz.

Offenbar nahm es der Autor an einigen Stellen nicht so genau mit seinen Recherchen. Wie aus Szenekreisen durchsickerte, intervenierte offenbar der Verleger Götz Kubitschek (Verlag Antaios, Institut für Staatspolitik), der in dem Buch als einer der heutigen Hauptprotagonisten der Neuen Rechten vorgestellt wird, beim Regin-Verlag wegen mehrerer Falschdarstellungen.

So behauptet Maaß an einer Stelle des Buches, das dem Verfasser dieser Zeilen vorliegt, der ehemalige Mitarbeiter und nachmalige Abgeordnete der sächsischen NPD-Landtagsfraktion Arne Schimmer sei „temporär in führender Position“ beim Institut für Staatspolitik (IfS) „beschäftigt“ gewesen, habe sein IfS-Engagement jedoch „mit seinem Eintritt in die NPD“ beendet, weswegen, so Maaß, eine von anderen behauptete Zusammenarbeit zwischen dem IfS und der NPD nicht bestätigt werden könne.

Tatsächlich war Schimmer, der, wie man auf in seiner Abgeordnetenbiografie auf der Internetseite des Sächsischen Landtags nachlesen kann, schon seit 1998 Mitglied der NPD ist, jedoch weder beim Antaios-Verlag noch beim IfS beschäftigt, sondern war, ebenfalls nachzulesen auf der Seite des Sächsischen Landtags, von 2003 bis 2004 als freier Journalist und Lektor tätig. Hierbei habe er unter anderem auch Aufträge des Antaios-Verlags angenommen, so Schimmer, der ebenfalls über die Falschdarstellung von Maaß verärgert ist, gegenüber diesem Nachrichtenportal.

Ebenfalls nicht korrekt ist Maaßens Darstellung, nach der die Zeitschrift „hier & jetzt“, das Theorieorgan des NPD-nahen Bildungswerks für Heimat und nationale Identität e. V., im Jahr 2012 ein Präsentationsstand auf der Verlagsmesse „Zwischentag“, die das IfS damals mitorganisierte, zugesagt bekommen habe, was jedoch schließlich durch eine Intervention des zu dieser Zeit noch eng mit Kubitschek zusammenarbeitenden Chefredakteurs der Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Dieter Stein, verhindert worden sei. Eine Nachfrage beim Chefredakteur von „hier & jetzt“, Arne Schimmer, bringt Klarheit: Ja, man habe sich durchaus um einen solchen Stand bemüht. Nein, eine Zusage wurde nicht erteilt. Ergo: Eine Intervention von dritter Seite war gar nicht notwendig.

Solche Fehler wären zu vermeiden gewesen, hätte sich Maaß direkt bei den Betroffenen erkundigt. Schließlich hat er sich auch mit anderen Personen im Rahmen seiner Recherchen für die „Geschichte der Neuen Rechten“ ausführlich unterhalten, wovon zahlreiche Anmerkungen im Fußnotenapparat des Buches zeugen. Im Falle der oben genannten Passagen hatte sich Maaß jedoch „aufs Hörensagen“ verlassen, wie er gegenüber diesem Nachrichtenportal einräumte.

Wie man hört, kommen Maaß und der Kieler Regin-Verlag aber noch einmal mit einem blauen Auge davon. Auf Schwärzungen oder gar eine Unterlassungserklärung, die das Einstampfen der gesamten Auflage zur Folge gehabt hätte, soll Kubitschek verzichtet haben. Stattdessen wird dem Buch nun ein Errata-Zettel beigelegt, der die falschen Darstellungen korrigiert. Eine überaus faire Lösung, die das kleine Verlagshaus aus dem hohen Norden vor einer wirtschaftlichen Katastrophe bewahrt.

Letzte Änderung am Mittwoch, 15 Oktober 2014 19:23
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