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Demografischer Wandel wird spürbar

2020 werden über eine Milliarde Menschen über 60 Jahre alt sein

Donnerstag, 06 November 2014 17:29 geschrieben von  Susanne Hagel

Magdeburg - Bereits in fünf Jahren wird es mehr über Sechzigjährige als unter Fünfjährige geben. Erstmals in der Geschichte der Menschheit gibt es dann mehr Alte als Kinder, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Sie fordert weitreichende Reformen.

Für 2050 rechne die WHO dann mit einer Anzahl der über 60-Jährigen von über zwei Milliarden - achtzig Prozent davon außerhalb der reichen Länder. Heute seien es 841 Millionen. Das Problem sei nicht nur, dass die Menschen immer älter würden. Vor allem der Anteil derer, die krank und gebrechlich sind, werde weltweit steigen. Die damit einhergehende Belastung für die Gesellschaft erfordere fundamentale Reformen sowohl im Gesundheitswesen als auch in den sozialen Hilfssystemen, so die WHO.

Der Anstieg der Älteren resultiere derzeit unter anderem auf dem Rückgang der Todesfälle an Herz-und Kreislauferkrankungen in den Industrieländern, erklärt Colin Mathers, WHO-Sprecher. Die zukünftigen Alten werden nicht gesünder sein als unsere heutigen über Sechzigjährigen, fürchten die Experten. Neben Krebs-, Lungen-, Herz- und Muskelkrankheiten, würden vor allem Nervenleiden den Alltag dominieren. Man rechne mit einer Verdreifachung allein der Anzahl an Demenzkranker bis 2050: von heute 55 Millionen auf etwa 135 Millionen.

Deshalb müsse es die oberste Priorität aller Staaten sein, den Menschen ein "gutes Altern" bei langer Gesundheit zu ermöglichen, so die internationalen Experten der WHO. "Dies bedeutet, dass fundamentale Reformen der Gesundheitssysteme und der sozialen Hilfssysteme nötig werden", betonte John Beard vom Department of Ageing and Life Course der WHO. Tis Boerma vom Department of Health Statistics and Information ergänzt: "Während manche Maßnahmen international einsetzbar sind, ist es wichtig, dass die Länder den Zustand und die Bedingungen ihrer älteren Bevölkerung beobachten, um so Trends zu erkennen und Gesundheitsprogramme an die jeweiligen Bedingungen anzupassen." Ein erstes Mittel zur Erfassung solcher Trends wären beispielsweise Studien zur Gesundheit unserer Älteren. Diese gäbe es zwar bereits in Ländern wie Brasilien, China, Indien und Südkorea, in vielen Nichtindustrieländern fehlen derlei Daten jedoch noch.

Neben den medizinischen und pflegerischen Verbesserungen, müssten auch massive Anstrengungen in der Vorsorge unternommen werden. Bereits frühzeitig und möglichst preiswert solle an der Vermeidung teurer chronischer Erkrankungen gearbeitet werden. Generell müsste die Gesellschaft alles dafür tun, ihre älteren Mitmenschen so lange wie möglich in ihrem sozialen Umfeld zu belassen. Dazu zählen auch Anreize zum längeren Arbeiten, so die WHO.

Die Gesundheitsprävention liegt auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) am Herzen: erst kürzlich legte er seinen Gesetzentwurf vor, der vorsieht, künftig über Kranken- und Pflegeversicherung rund 510 Millionen Euro in die Gesundheitsprävention zu stecken. Auch Menschen aus sozial schwachen Schichten sollen Zugang zu Präventionsmaßnahmen bekommen. Vor allem Bewegungsmangel und das daraus resultierende Übergewicht, sowie Rauchen und Alkoholmissbrauch stehen im Mittelpunkt der Prävention. Hauptaugenmerk liegt hierbei auch auf den Kindern. Auch in der Pflege müsse in Zukunft ein Umdenken stattfinden; hier solle analog zum Grundsatz "ambulant vor stationär" der Grundsatz "Reha vor Pflege" gelten. Mithilfe des Programms "Älter werden in Balance" versucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ältere Frauen und Männer "in ihrem Bestreben, ein selbstständiges Leben bei guter Lebensqualität bis ins hohe Alter zu führen", zu unterstützen, sagte BZgA-Direktorin Elisabeth Pott. Neben der Verbesserung des Gesundheitswissen älterer Menschen, sollen diese auch zu mehr Bewegung im Alltag motiviert werden.

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