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Gewalt gegen Polizei erreicht neues Maß

50 Linke attackieren Polizeidienststelle in Leipzig

Freitag, 09 Januar 2015 00:46 geschrieben von  Susanne Hagel
Stadt Leipzig Stadt Leipzig

Leipzig - Gestern Abend kurz nach zwanzig Uhr wurde eine Polizeidienststelle in Leipzig-Connewitz von etwa fünfzig vermummten Linksextremen angegriffen. Die Angreifer warfen Steine, Feuerwerkskörper und Farbbeutel, demolierten ein Polizeifahrzeug und steckten dieses anschließend in Brand.

"Dieser Auswuchs von Gewalt gegen eine Gruppe der Gesellschaft ist nicht hinnehmbar. Der Rechtsstaat wird alles unternehmen, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen", erklärte der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU). Den Angaben zufolge bearbeiteten die zwei in der Wache in der Wiedebach-Passage anwesenden Beamten gerade Bürgeranzeigen, als sie die Gruppe aus fünfzig Vermummten bemerkten. "Da sich die Gruppe in Marschformation bewegte, vermuteten die beiden Beamten zunächst eine, für dortige Verhältnisse nicht ungewöhnliche Spontankundgebung", heißt es im Polizeibericht. Innerhalb kürzester Zeit warfen die Extremisten Pflastersteine, Farbbeutel und Feuerwerkskörper gegen die Fensterfront der Dienststelle. Dabei wurde das Sicherheitsglas der Fenster stark beschädigt. Einige der Täter drangen in den Hinterhof der Polizeistation ein, zerschlugen die Heckscheibe eines dort abgestellten Streifenwagens und warfen einen Brandsatz in das Innere des Polizeifahrzeugs. Zwar konnte das Feuer zeitnah gelöscht werden und die Beamten der Dienststelle blieben unverletzt, sie durchlitten aber aufgrund der großen Anzahl Gewaltbereiter, denen sie sich so unvermittelt gegenüber sahen, Todesängste und werden zur Zeit psychologisch betreut. Die Angreifer entkamen unerkannt, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie auf ihrer Flucht sogenannte "Krähenfüße", also gebogene Metallhaken, streuten, das eines der herbeigerufenen Polizeiwagen an der Verfolgung hinderte.

In der Nacht nach der Tat veröffentlichten die Täter ein Bekennerschreiben im Internet. Demnach sei die Attacke anlässlich des Todestages des Asylbewerbers Oury Jalloh im Jahre 2005 in einer Dessauer Gefängniszelle erfolgt. "Bulle dein Duldungsstatus ist aufgehoben und deine Aufenthaltserlaubnis erloschen wie das Feuer in dem Streifenwagen hinter der Wache und so wirst du von uns mit genau solcher Respektlosigkeit und Gewalt behandelt, wie du Flüchtlinge behandelst", heißt es im Bekennerschreiben. Jalloh, ein Asylbewerber, starb am siebenten Januar 2005 an schweren Verbrennungen im Gewahrsam der Dessauer Polizei. Wie es dazu kam, ist trotz jahrelanger Gerichtsverfahren noch immer ungewiss. Jalloh sei zum Zeitpunkt seines Todes an Händen und Füßen gefesselt an der Liege fixiert gewesen und verbrannte so in seiner Zelle. Der damals diensthabende Dessauer Polizist wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Zwar war der Angriff auf die Polizeidienststelle in Connewitz nicht der erste seiner Art, nach Angaben des Polizeisprechers Andreas Loepki sei das nun erreichte Ausmaß jedoch einmalig. Bereits 2013 sei auf das Gebäude, in dem sich damals noch das Bürgerbüro der Stadt befand, ein linksradikaler Anschlag verübt worden. Damals hatte Unbekannte durch ein Loch in der Fassade Bitumen in die Diensträume geschüttet und diese nahezu unbrauchbar gemacht. Anschließend zog die Polizeidienststelle in diesen Teil des Gebäudes und das Bürgerbüro wurde weiter ins Innere der Wiedebach-Passage versetzt.

 

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) verurteilte den Anschlag scharf. "Wir stehen Seite an Seite mit der Polizei und ich wünsche den Polizisten, die hier angegriffen wurden, viel Kraft, dass sie mit dieser Belastung fertig werden. Wir werden den Polizeiposten so schnell wie möglich wieder herrichten. Die große Mehrheit der Connewitzer ist froh, dass die Polizei im Stadtteil vor Ort präsent ist, und das wird auch so bleiben." Unterdessen distanzierte sich die Partei die Linke in Leipzig von dem Anschlag. "Gewalt gegen Sachen oder gar Personen - das gilt insbesondere auch gegenüber Polizistinnen und Polizisten - lehnen wir als Mittel der politischen Auseinandersetzung ab", teilte der Linke-Politiker Volker Külow mit.

Letzte Änderung am Freitag, 09 Januar 2015 00:51
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