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Das Establishment oder das Volk?

AfD distanziert sich vom Volkstribun Björn Höcke! Quo vadis, Höcke?

Donnerstag, 22 Oktober 2015 23:36 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Björn Höcke Björn Höcke Bildschirmfoto vom 08.05.2015 | http://www.bjoern-hoecke.de/

Erfurt - Es stellt sich die Frage, ob Björn Höcke, wenngleich seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der AfD im Thüringer Landtag, bei seiner Partei noch richtig aufgehoben ist. Höcke, der sich nicht allein damit begnügt, nur vorm Parlament zu reden, sondern das Volk zum Adressaten hat, wobei er die Mobilisierungskraft bis fast in den fünfstelligen Bereich besitzt, und der bei Fernsehauftritten nicht vor dem Establishment einknickt, erntet nun Kritik aus den eigenen Reihen. Die AfD-Spitze zeigt sich wohl zu sehr beeindruckt von medialen Diffamierungskampagnen und scheut offensichtlich die Ausgrenzung durch diejenigen, die man angeblich politisch bekämpft. Höckes Parteigenossen sind vermutlich die Schlagzeilen wichtiger als die Volksmeinung, obgleich doch der zunehmend im Munde geführte Signalbegriff „Lügenpresse“ aufzeigt, daß der Volkssouverän verstärkt gegen mediale Entmündigung aufbegehrt und eine Opposition mit verläßlichen Positionen geradezu herbeisehnt.

Die AfD sollte vorsichtig sein bei ihren vorschnellen Maßregelungen gegenüber einem durch Erfolg bestätigten Volkstribun und sich überlegen, wofür sie gewählt wurde. Immerhin dürfte ein Björn Höcke angesichts der Zahl seiner Anhängerschaft in Thüringen selbstbewußt genug sein, im Zweifelsfalle auch einer AfD gegenüber Rückgrat zu zeigen und prinzipientreu zu bleiben. Und mag man es auf den ersten Blick auch für unwahrscheinlich halten: so besonders weit wäre die politische Wegstrecke zu einer Kooperation mit Frank Franz, dem 37-jährigen Parteivorsitzenden der Nationaldemokraten wahrlich nicht. Vermag dieser zwar im Laufe seiner erst knapp einjährigen Amtszeit noch nicht dieselben Menschenmassen zu mobilisieren, verpasste der Saarländer der NPD doch schnell ein äußerst professionelles und seriöses Bild. Nicht zu unterschätzen ist, daß der langjährige Kommunalpolitiker im Rufe steht, ein erfolgreicher Netzwerker zu sein, der über den Tellerrand der Parteipolitik hinauszusehen versteht. Schon mehrfach hieß es, er verfüge über diverse Kontakte zu den Freiheitlichen Österreichs und so mancher Vergleich – sowohl aus den eigenen Reihen, als auch seitens politischer Gegner - mit HC Strache wurde bezüglich eines stets gut gekleideten und smart auftretenden Frank Franz angestellt.

Politisch ist der nationaldemokratische Frontmann alles andere als ein Scharfmacher, rückt jedoch auch nicht von seinen Grundsatzpositionen ab. Bestünden nicht die speziellen parteihistorischen Besonderheiten der BRD, wüßte man kaum, was den Sportwissenschaftler Björn Höcke und den Physiotherapeuten Frank Franz politisch wesentlich trennen sollte. Und was Höckes politische Zukunft anbelangt, zeigen die vergangenen Landtagswahlergebnisse der NPD-Thüringen, daß Höcke angesichts seines erlangten Bekanntheitsgrades und der gegenwärtigen politischen Großwetterlage mit großer Wahrscheinlichkeit auch via NPD-Ticket einen Wiedereinzug in den Landtag erringen könnte. Dieses Gedankenspiel ist zwar Zukunftsmusik, aber Musik ist da allemal drin – und soviel stünde fest: die Nationaldemokraten würden einem Björn Höcke wohl kaum politisch in den Rücken fallen.

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