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Will Hans-Olaf Henkel eine FDP 2.0?

AfD-Spitze im Richtungsstreit

Samstag, 08 November 2014 02:43 geschrieben von  Torsten Müller
Hans-Olaf Henkel verstört oft die Mitgliederbasis Hans-Olaf Henkel verstört oft die Mitgliederbasis Quelle: derfflinger.de

Berlin - Die AfD streitet sich auf allen Ebenen. Ganze Landesverbände drohen auseinanderzubrechen, weil Karrieristen den Parteifrieden stören, aber auch weil kein gemeinsames politisches Fundament vorhanden ist. Deutlich wurde dies erst kürzlich, als der Bundessprecher Bernd Lucke sich veranlasst sah, sich in einem Brandbrief an seine Partei zu wenden. Mit alarmierenden Worten umschrieb er darin die Situation der Partei, die von Querulanten und Intriganten geprägt sei.

Doch nicht nur an der Basis rumort es, auch die Führung ist sich immer weniger einig, wie es mit der Partei weitergehen soll. Der Parteivize Hans-Olaf Henkel hatte erst kürzlich aus Protest wegen einer Meinungsverschiedenheit mit Lucke die Lagebesprechung des Vorstands geschwänzt. Jüngst machte Henkel darauf aufmerksam, dass die AfD „Unvernünftige, Unanständige und Intolerante“ in ihren Reihen habe. Auch sei er verstimmt wegen der vielen „Ideologen, Goldgräber und Karrieristen“ in seiner Partei. Mit Blick auf seinen Kollegen als Vize-Vorsitzenden, Alexander Gauland spöttelte er über „diese ganzen Russlandversteher“.

Henkels Urteil über die eigene Partei ist vernichtend: „Das sitzt man auf einem Parteitag und hört irgendwelche wilden Verschwörungstheorien. Ich werde dann ganz klein und schäme mich in Grund und Boden.“ Gauland protestierte wütend gegen die Tiraden Henkels und war kurz davor, eine Pressekonferenz zur Klarstellung einzuberufen. Er wollte von Henkel wissen, ob er ihn auch in die Kategorie der Unvernünftigen, der Unanständigen oder Intoleranten einordne.

Henkel wies auch darauf hin, dass die Partei endlich einen Markenkern benötige. Auch in der Frage des umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP ist die Partei zutiefst uneinig. Auch der Ökonom und Europaabgeordnete der AfD, Joachim Starbatty kritisiert den Kurs der AfD, weil er es für falsch hält, sich gegen Amerika und das Freihandelsabkommen TTIP zu stellen.

Gauland stellte Henkel nun öffentlich vor die Wahl, ob er denn weiterhin Mitglied der AfD sein wolle: „Herr Henkel muss sich fragen, ob er noch zur AfD gehören will, denn er will im Grunde genommen eine liberale Partei. Er möchte auf keinen Fall etwas mit Herrn Putin zu tun haben, er will auf jeden Fall das Freihandelsabkommen mit den USA. Er möchte eine Partei, die die Werte von CDU und FDP, wie er sie sieht, weiter verkörpert. Und das wird mit der AfD nicht gehen.“

Wenn die AfD so weiter macht, könnte sie ihrem eigenen Erfolg letztlich zum Opfer fallen. Sie erntete Erfolge, ohne eine klare politische Linie zu verfolgen. Nun bröckelt die Fassade – und sichtbar wird ein zutiefst zerstrittener Haufen, der weder über ein Programm noch über gemeinsame Werte verfügt.

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