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Anfrage im Landtag Thüringen

AfD wünscht Auskunft über Anzahl thüringischer Homosexueller

Sonntag, 11 Oktober 2015 17:09 geschrieben von  Susanne Hagel
AfD Thüringen AfD Thüringen Quelle: AfD

Erfurt - Die AfD Thüringen hat im rot-rot-grün geführten Landtag ein weiteres Mal für Empörung gesorgt. Die Abgeordnete Corinna Herold stellte eine Kleine Anfrage über die genauen Zahlen der Homo-, Bi- und Transsexuellen im Freistaat. Die übrigen Parteien üben sich im entsetzt Aufschreien.

Mit der Nachfrage über die sexuelle Orientierung der Thüringer bringt Herold die übrigen Abgeordneten zur Schnappatmung. „Die Zeiten, in denen sich Homosexuelle registrieren lassen mussten, sind zum Glück vorbei“, entgegnete etwa Henry Worm (CDU). Er fühlte sich unangenehm an die Verfolgung Schwuler und Lesben in der NS-Zeit erinnert.

Auch Susanne Hennig-Wellsow, Linken-Fraktionschefin, kritisierte die AfD, die nun offenbar Sittenpolizei spielen und „den Menschen in die Schlafzimmer schauen“ wolle. Sie halte die Neugier Herolds für „ein bisschen pervers“. Und für die Grünen-Politikerin Astrid Rothe-Beinlich zeigt die AfD mit dieser Anfrage überdeutlich, dass sie sich an anderen sexuellen Orientierungen störe und diese verurteile. Offensichtlich halte die AfD Homosexuelle für eine unnormale Minderheit. Matthias Hey (SPD) erklärte man „kann nur den Kopf schütteln“ über solche Anfragen, die unnötig Geld und Zeit verschwenden würden.

Sofort auf dem Plan steht auch der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge. Er mahnte, es „sollte uns zu denken geben“, dass die AfD solche formal unsinnigen Anfragen stelle. Im Gegensatz zum Nationalsozialismus würden in einer Demokratie eben keine Listen über die sexuelle Orientierung der Bürger geführt. Die AfD offenbare in der letzten Zeit immer mehr ihres völkisch-nationalen Programms, wie sich auch an den Auftritten des Landesvorsitzenden Björn Höcke zeige. „Der Wolf frisst immer weniger Kreide“, so Knigge warnend.

Herold selbst erklärte hingegen, sie sitze als Mitglied im Ausschuss für Soziales und Gesundheit, der sich gerade mit einem umfangreichen Anti-Diskriminierungsprogramm für Homo-, Bi- und Transsexuelle in Thüringen beschäftige. Offensichtlich jedoch ohne genaue Zahlen der Betroffenen zu haben. Angesichts leerer Kassen ist es in der Tat nicht unerheblich zu wissen, wie viele Menschen von dem Programm überhaupt profitieren würden.

Die Staatskanzlei erklärte, es liegen weder in Thüringen noch in der Bundesrepublik Erhebungen über die sexuelle Orientierung der Bevölkerung vor.

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