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Keine Lust auf Politik

AfD-Zugpferd Hans-Olaf Henkel fällt in Brüssel durch Abwesenheit auf

Samstag, 04 April 2015 16:44 geschrieben von 
Hans-Olaf Henkel Hans-Olaf Henkel Quelle: DERFFLINGER

Straßburg - Mit ihm wollte die AfD ihre internationale und europapolitische Kompetenz unter Beweis stellen: Hans-Olaf Henkel. Der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hat aber offenbar die Lust an der Politik verloren. Seit Monaten glänzt er in Straßburg und Brüssel durch Abwesenheit. Die ersten beiden Monate des laufenden Jahres weilte er fast ausschließlich in Chicago, seit März macht er mit seiner Frau einen Amazonas-Trip. Erst im Laufe des Aprils wird er zurückerwartet. Man darf gespannt sein, wohin es ihn dann verschlägt – sicher nicht in die „Niederungen“ des Europäischen Parlaments.

Das Einzige, was man von ihm vernimmt, sind Belehrungen der Kritiker von AfD-Bundessprecher Bernd Lucke. So sagte er mit Blick auf Frauke Petry und Alexander Gauland (beide AfD): „Es ist nicht weiter hinnehmbar, dass Sie immer wieder versuchen, die Presse für Ihre innerparteilichen Zwecke und Machtspielchen zu instrumentalisieren.“ Er ist der Auffassung, dass das Wiedererstarken der FDP sowie die stagnierenden Umfragewerte der AfD auf das Konto von Petry und Gauland gehen. In diesem Zusammenhang sprach Henkel auch eine deutliche Warnung aus: „Hören Sie endlich damit auf, sich durch Ihr ständiges Geplappere mit WELT, BamS und BILD zu Lasten von Bernd Lucke zu profilieren und damit der Partei zu schaden.“

Auf diese Kritik reagierte nun der AfD-Europaparlamentskollege Henkels, Marcus Pretzell: „Statt aus dem Dauerurlaub Frauke Petry zu beschimpfen, sollte Hans-Olaf Henkel sich lieber mal häufiger in Brüssel sehen lassen.“ Und tatsächlich fehlte Henkel bei fast allen Ausschusssitzungen der letzten Monate, obwohl er immerhin stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie ist. Pretzell dazu weiter: „In Brüssel sehen wir Hans-Olaf Henkel leider fast gar nicht mehr, er fehlt an allen Ecken und Enden.“

Auch an seiner eigenen Partei scheint Henkel das Interesse bereits verloren zu haben. So nahm er nur an drei von sechs Sitzungen des Bundesvorstands teil. Darüber hinaus wählte er sich nur in eine von 16 Telefonkonferenzen ein.

Das, was Kritiker Henkels schon vor der Europawahl prognostizierten, ist nun offenbar eingetreten. Henkel mag die großen Bühnen dieser Welt, sonnt sich gerne im Licht der Öffentlichkeit. Aber wirkliche politische Arbeit ist nicht seine Welt. Ähnlich wie in Sachsen und Brandenburg, wo die im letzten Jahr gewählten AfD-Fraktionen bisher eher durch Faulheit auffallen, scheint auch Henkel nicht begriffen zu haben, wie eine echte Alternative sein muss.

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