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Asylkrise

Akuter Lehrermangel für Asylantenkinder

Samstag, 19 Dezember 2015 22:28 geschrieben von  Susanne Hagel
Akuter Lehrermangel für Asylantenkinder Quelle: pixabay.com

Berlin - Wie der Deutsche Philologenverband mitteilte, stehen die Bundesländer bei der Bereitstellung von geeigneten Lehrern für die rund 300.000 Kinder der Asylbewerber vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Derzeit werden bundesweit rund 7.500 neue Stellen für Lehrer geschaffen – das entspricht jedoch nur einem Drittel des tatsächlichen Bedarfs in Höhe von mindestens 20.000 Lehrkräften.

Die Zahl hatte die Kultusministerkonferenz allein für das vergangene und das aktuelle Jahr errechnet – ein weiterer Zustrom von Asylanten wie im kommenden Jahr erwartet, ist hierbei noch nicht einmal eingerechnet. Die meisten Lehrer will Medienberichten zufolge der Freistaat Bayern einstellen: 1.700 Lehrkräfte sollen hier ihren Dienst beginnen. Nordrhein-Westfalen plane demnach 1.200 Neueinstellungen.

„Was wir brauchen, ist ein Masterplan, ein Integrationskonzept, wie Flüchtlingskinder in der Schule so fit gemacht werden, dass sie Abschlüsse erreichen“, fordert Heinz-Peter Meidinger, der Vorsitzende des Gymnasiallehrerverbandes. „Dafür müssen wir vom reinen Auf-Sicht-Fahren wegkommen. Es fehlt an einem langfristigen Konzept.“ Vieles spreche derzeit dafür, „dass 300.000 Flüchtlingskinder bereits im Land sind, die beschult werden müssen, die aber noch längst nicht alle beschult werden“.

Derzeit seien noch nicht einmal die Hälfte der Kinder in den Regelschulen angekommen. „Viele sind in Willkommensklassen oder noch in der Warteschleife, bis zu sechs Monate, bevor die Schulpflicht greift“, so Meidinger. Bis zu 80.000 Kinder seien Schätzungen des Verbandes zufolge „noch überhaupt nicht registriert“. „Meine Prognose ist, dass spätestens im Sommer 2016 ganz deutlich wird, dass die Stellen nicht reichen und dass auch die nächstes Jahr zusätzlich erforderlichen Stellen nicht besetzt werden können. Da wird sich eine riesige Bedarfslücke auftun“, warnte er. Und dann kämen im kommenden Jahr noch weitere Kinder hinzu: Selbst wenn die Prognosen für 2016 halbiert würden, „bräuchten wir zusätzlich zum aktuellen Bedarf noch einmal zehntausend Lehrerstellen. Man läuft also ständig dem Bedarf hinterher.“

Meidinger schlug vor, zunächst auf pensionierte Lehrer zuzugehen, um diese für den Dienst zurückzugewinnen. Auch ehemalige Lehrer des Auslandsschuldienstes könnten angefragt werden, so Meidinger. „Es gibt davon zwei- bis dreitausend im Ruhestand, die wieder einsteigen könnten.“

Auch Marlis Tepe, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), forderte mehr Bemühungen der Länder: „Um genügend Lehrer zu finden, müsste es bereits jetzt eine zweite Einstellungswelle geben“, so Tepe. „Ein Großteil der Flüchtlingskinder ist bislang noch gar nicht in den Schulen angekommen.“

Im Oktober hatte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Brunhild Kurth (CDU), erklärt, der Bedarf an Lehrern für die mindestens 325.000 ausländischen Schüler liege bei über 20.000 Lehrern. „Wir fahren auf Sicht, wir steuern in den Ländern ständig nach“, monierte sie. Mindestens 2,3 Milliarden Euro werde die Bildung der Asylantenkinder allein für 2014/15 kosten.

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