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"Wo bleibt die Empörung über Islamismus?"

Alice Schwarzer löst mit Islamkritik Shitstorm aus

Freitag, 09 Januar 2015 00:01 geschrieben von  Susanne Hagel
Alice Schwarzer Alice Schwarzer Quelle: wikipedia.org | Foto: Michael Lucan | CC BY 3.0

Magdeburg - Eigentlich hatte es viel zu lange gedauert: Das Schweigen der Feministinnen, wenn es um das Thema Islam geht. Das ist insofern verwunderlich, da diese sonst keine Gelegenheit auslassen, um auf die Unterdrückung der Frau in unserem System hinzuweisen und die Rolle der Frau gerade in dieser Religion fernab des von Feministen erdachten Bildes steht. Was das Kopftuch oder die Burka alleine nicht schaffte, vollbrachte der Anstieg der Flüchtlinge, die in Deutschland Zuflucht suchen. Alice Schwarzer kritisiert den radikal ausgelegten Islamismus dort und hier - und erntet virtuelle Buhrufe.

Die Publizistin und Frauenrechtlerin veröffentlichte den Artikel auf ihrer Internetseite "emma.de", in welchem sie erklärt "Wer den Flüchtlingen wirklich helfen will, muss auch die Gottesstaatler bekämpfen – in Syrien wie in Deutschland". "Ohne den Terror des islamischen Fundamentalismus hätten wir heute kein Flüchtlingsproblem in Europa. Selbstverständlich müssen wir diese Flüchtlinge aufnehmen und ihnen beistehen! Wir müssten gleichzeitig die Ursachen des Horrors bekämpfen", so Schwarzer. "Wo also bleibt die Empörung der politischen Klasse über die Forcierung von Parallelgesellschaften mitten in Deutschland oder die Frau im Tschador mit dem verschleierten Mädchen im deutschen Baumarkt? Auch dagegen müsste demonstriert werden. Und zwar dringend!" Es gehöre heute zum guten Ton, empört zu sein. Jedoch nicht über die angesprochenen Entwicklungen etwa von Parallelgesellschaften oder dem Eindringen unterdrückender Tendenzen in unseren Alltag, sondern über PEGIDA. "Die seien fremdenfeindlich, undemokratisch, rechts! heißt es. Das mag durchaus für die Wortführer und so manche Mitläufer zutreffen. Und es ist eine Tendenz, die sich durch die harsche offizielle Ablehnung offensichtlich verschärft. Aber gilt das auch für die 49 Prozent der Bevölkerung, die laut Umfrage der Zeit „voll und ganz“ oder „eher ja“ hinter dem Pegida-Protest stehen? Und für die weiteren 26 Prozent, die Pegida „teilweise“ recht geben?" fragt die Emma-Chefin berechtigt. Dieser Form der Demonstrationen Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen, wäre verfehlt. Sie seien vielmehr "Beistand sowohl für die Flüchtlinge aus den islamistischen Ländern als auch für die 81 Prozent der integrierten MuslimInnen in Deutschland, die gerne in einer Demokratie leben. In einem Land, zu dessen hehren Prinzipien die Trennung von Staat und Religion ebenso gehört wie die Gleichberechtigung der Geschlechter." Sie teile das "Unbehagen an der offensiven islamistischen Agitation, der Propagierung der Scharia", welche sie gar als "neuen Form des Faschismus" bezeichnete. Statt sich berechtigt gegen diese radikale Form des Islamismus einzusetzen, versuchten die Politiker des Landes ihrem Volk Fremdenfeindlichkeit oder Islamophobie einzureden, wenn es die Minderheit der Muslime, die sich nicht integrieren wollen, dazu auffordert, "unser Wertesystem" anzuerkennen: "Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die strikte Trennung von Religion und Staat". Schwarzer attestiert der herrschenden Parteienlandschaft eine Mitschuld, die aus ihrem Nichtstun und einem falsch verstandenem Toleranzgedanken resultiert: "Und was ist mit den Hunderten, ja Tausenden Konvertiten, die aus Europa in den Dschihad ziehen? Sind sie isolierte Phänomene, individuelle Ausrutscher? Oder sind sie die logische Ausgeburt einer falschen Toleranz, die über Jahrzehnte auch mitten in Deutschland der islamistischen Hetze in den Koranschulen und (so manchen) Moscheen nichts Positives entgegengesetzt hat – und das immer noch nicht tut?"

 

Schwarzer erntete von ihren Nutzern harte Kritik für ihre Positionen. Vor allem die gedankliche Nähe zur Bürgerbewegung PEGIDA stieß vielen Kommentatoren sauer auf. Während einige drohten, ihr Abonnement der Emma sofort zu beenden, fragte etwa eine Nutzer, "ob Alice Schwarzer auch Pegidas Unbehagen betreffend dem Genderwahnsinn total berechtigt findet". Und als wären Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Trennung von Religion und Staat keine fortschrittlichen Prinzipien, erklärte der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner: "Wenn sich Alice Schwarzer nach ihrer Steuerhinterziehungsaffäre und den damit verbundenen abenteuerlichen Rechtfertigungsversuchen neuerdings auch noch hinter die PEGIDA-Demonstrationen stellt, so zeigt das nur, wie wenig sie noch mit fortschrittlichen Positionen am Hut hat." Auch Michael Konken, der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, kritisierte Schwarzer für ihren Artikel. Er forderte eine Versachlichung der Islamdiskussion. "Dass Alice Schwarzer ihre Meinung sagt, ist ihr gutes Recht. Aber wem nützt das Aufschaukeln von Emotionen?", so Konken. "Die widerwärtigen Gräueltaten der Terrororganisation Islamischer Staat dürfen nicht zu einer wachsenden Emotionalisierung in der Medienberichterstattung führen."

Letzte Änderung am Freitag, 09 Januar 2015 00:17
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