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Arbeitsmarkt

Andrea Nahles: Mindestens zwei Drittel der Asylanten ohne Qualifikation

Mittwoch, 09 Dezember 2015 22:43 geschrieben von  Susanne Hagel
Andrea Nahles, SPD Andrea Nahles, SPD Quelle: SPD | Foto: Dominik Butzmann

Berlin - Der Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zufolge, rechnet ihr Haus mit rund 65 Prozent Unqualifizierten unter den bleibeberechtigten Asylanten. Insgesamt schätzte das Bundesarbeitsministerium die Zahl der zu unterstützenden Asylanten für das kommende Jahr auf  300.000 bis 350.000 – all jene haben dann Anspruch auf Hartz IV. Das Bundesinnenministerium spricht hingegen von bis zu 465.000 Hartz IV berechtigten Asylanten.

„Nicht einmal jeder Zehnte kann direkt in Arbeit oder Ausbildung kommen“, hatte Nahles bereits im September klargestellt. Nun ergänzt sie hingegen, rechne man jene hinzu, die Deutschland von sich aus wieder verlassen oder aus der Zahlung für Hartz IV herausfallen, weil sie beispielsweise ein Studium beginnen oder etwa reich heiraten, könnten rund 35 Prozent der Asylanten aus den Sozialleistungen gestrichen werden – eine optimistische Rechnung angesichts der bisherigen Prognosen.

Die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit schätzt da weitaus vorsichtiger: Rund zwölf Prozent der Asylanten mit Bleiberecht könnten sich im kommenden Jahr in den Arbeitsmarkt integrieren lassen, so die Schätzungen nach einem Modellversuch.

Brigitte Pothmer, die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, kritisiert Nahles Prognose als „Schönfärberei“, die „vollkommen utopisch“ angesichts der Sachlage sei. Einziges Ziel der positiven Zahlen sei die Kleinrechnerei der Finanzmittel im Arbeitsministerium. „So versucht sie zu kaschieren, dass sie beim Finanzminister nicht genug Geld für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt herausverhandelt hat.“

Um möglichst viele der ankommenden Ausländer schnell in Arbeit zu bringen, startet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) einen Aktionsplan, der jede der bundesweit rund zweihundert Industrie- und Handelskammern motivieren soll, dafür zu sorgen, dass möglichst viele Asylanten ausgebildet, qualifiziert und integriert werden. Rund zwanzig Millionen Euro stünden dafür für das kommende Jahr zur Verfügung, erklärte Eric Schweitzer, der Verbandspräsident.

Die Industrie- und Handelskammern sollen dabei den Betrieben beratend und informierend zur Seite stehen, sowie den Asylanten helfen, sich beruflich zu orientieren und ihnen geeignete Lehrstellen zu vermitteln. Man habe bereits den Leitfaden „Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung“ erarbeitet, so Schweitzer. Man wolle zudem in jeder Kammer Ansprechpartner für Flüchtlinge abstellen. „Zusätzlich zum vielfältigen ehrenamtlichen Engagement werden sich in den IHKs und im DIHK mehr als 170 Mitarbeiter in den verschiedenen Aktionsfeldern engagieren“, so Schweitzer.

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