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Bundesprogramm für Asylbewerber

Andrea Nahles will Asylanten schneller in den deutschen Arbeitsmarkt integrieren

Dienstag, 02 Juni 2015 00:45 geschrieben von  Dirk Schneider
Andrea Nahles, SPD Andrea Nahles, SPD Quelle: SPD | Foto: Dominik Butzmann

Berlin - Die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will Asylanten in Zukunft schneller auf dem Arbeitsmarkt unterbringen. Mit Hilfe eines Bundesprogramms für die Integration von Asylbewerbern sollen diese gezielt gefördert werden.

„Es geht um die finanziellen und personellen Voraussetzungen in den Jobcentern, die Flüchtlinge in Arbeit bringen zu können“, erklärte Nahles. „Diese Investition in die Zukunft ist bislang unterfinanziert, hier brauchen wir zusätzliches Geld.“ Vor allem für berufsbezogene Sprachkurse und Eingliederungsmaßnahmen werde mehr Geld benötigt, als die Mittel des Europäischen Sozialfonds hergeben, erklärte die SPD-Politikerin.

„Die Zahl der Flüchtlinge steigt und viele Menschen werden aufgrund der Situation in ihren Herkunftsländern dauerhaft in Deutschland bleiben“, betonte sie. „Wenn wir am Anfang in die Menschen investieren, vermeiden wir dauerhafte Sozialausgaben und ermöglichen ihnen ein eigenständiges Leben.“ Nahles erhofft sich außerdem unter den Asylanten jene Arbeitskräfte zu finden, deren Bedarf die Wirtschaft bereits seit längerem angemeldet hat.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie bestünde Bedarf für mehr als 137.000 Arbeitskräfte allein im IT-Bereich sowie in naturwissenschaftlichen und mathematischen Berufen. Inwieweit die im Lande weilenden Asylanten in diesen Branchen ausgebildet sind, ist unklar. Nahles schließt sich jedenfalls der Forderung der Arbeitgeber an, bessere Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten für anerkannte Flüchtlinge zu schaffen. „Ich habe noch keinen Asylbewerber erlebt, der nicht arbeiten will“, erklärte der Leiter der Außenstelle Nürnberg vom Bayerischen Flüchtlingsrat, Alex Thal. Die Asylanten litten darunter, dass sie „jahrelang festsitzen und nicht arbeiten dürfen“.

Nahles erklärte, die Anerkennungsverfahren für Asylantragsteller sollen beschleunigt werden. Wer als Flüchtling anerkannt wird und bleiben darf, müsse dann jedoch auch zügig auf dem Arbeitsmarkt integriert werden, so die SPD-Ministerin. „Deshalb halte ich erhebliche Anstrengungen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik, bei allgemeinen und berufsbezogenen Sprachkursen und der Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen für nötig.“ Die Wartefrist für Flüchtlinge, um Zugang auf den Arbeitsmarkt zu erhalten, sei bereits auf drei Monate verkürzt worden. Außerdem werde in diesem Ausbildungsjahr mit der „assistierten Ausbildung“ begonnen, die neben anerkannten Flüchtlingen auch Geduldeten offen stehe, betonte Nahles.

Vergegenwärtigt man sich das Engagement für die Arbeitsplatzvermittlung von Asylanten, kommt mitunter die Frage auf, ob es den zeitlich passend zur Flüchtlingswelle entdeckten Fachkräftemangel im Lande gebe, wenn ähnlich intensive Mühen für die hiesige Bevölkerung unternommen würden.

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