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Die Beine hochlegen als Kanzler-Qualifikation?

Angela Merkel heizt die Nachfolgediskussion mit neckischen Details an

Freitag, 27 Juni 2014 08:44 geschrieben von  Jens Hastreiter
Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Bundestagssitzung. Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Bundestagssitzung. Quelle: Bundesregierung / Foto: Guido Bergmann

Berlin - Ist Angela Merkel amtsmüde? Immerhin denkt die Kanzlerin offenbar über die Zeit nach ihrer Amtsperiode nach. Vielen galt bisher die derzeitige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen als  mögliche „Thronfolgerin“, doch nun brachte die Kanzlerin einen anderen Namen ins Gespräch.

Die neue Personalie ist keine Unbekannte ­– will man Angela Merkels Gedankenspielen folgen, könnte die saarländische CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer nächste Bundeskanzlerin werden. Das ist offenbar auch der Wunsch der amtierenden Kanzlerin.

Die Tageszeitung „Luxemburger Wort“ brachte die Sensationsmeldung unter Berufung auf Berliner Regierungskreise als erste unters Volk: Angela Merkel habe sich bei ihrem Besuch in Washington Anfang Mai als nächste Generalsekretärin der Vereinten Nationen ins Gespräch gebracht. Demnach könne sie sich vorstellen, im Sommer 2016 als Nachfolgerin von Ban Ki Moon gewählt zu werden und das Amt zum 1. Januar 2017 anzutreten. Der Südkoreaner Ban muss nach zwei Amtszeiten ausscheiden.

Daraufhin berichtete das Magazin „Cicero“ über die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer als mögliche Nachfolge-„Favoritin“ der Kanzlerin.

Die Saarländerin spielte in der Nachfolge-Diskussion bislang keine Rolle. Vielmehr wird immer wieder der Name der augenblicklichen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen genannt, gelegentlich auch der von Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Allerdings hat dessen Ruf durch eine Pannenserie rund um millionenteure Drohnenkäufe während  seiner Zeit als Verteidigungsminister gelitten.

Im Politmagazin „Cicero“ wird nun berichtet, Merkel habe Kramp-Karrenbauers Qualitäten vor allem während der Koalitionsverhandlungen im Herbst 2013 schätzen gelernt. Die Kanzlerin beeindrucke an der 51jährigen Saarländerin, dass diese „zielstrebig, eigenständig" sei, aber auch „eine große Gelassenheit" an den Tag lege. So habe Kramp-Karrenbauer, „während alle rumhühnerten“, einfach zwei Stühle zusammengestellt, die Beine hochgelegt und ein Buch gelesen oder die Augen geschlossen.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist derzeit außerhalb des Saarlands wenig bekannt, doch bei der „Cicero“-Redaktion bleibt man dabei: „Kramp-Karrenbauer ist derzeit Merkels Nummer eins", heißt es in einem langen Text über die Saarländerin. Diese ist seit 2011 Regierungschefin und verfügt ebenfalls über Erfahrungen in der Führung einer Großen Koalition. Innerhalb der Union steht sie für ein modernes Familienbild und die Einführung einer Frauenquote.

Die Bundeskanzlerin steht als Nachfolgerin von UN- Generalsekretär Ban Ki Moon nicht chancenlos da. Nach zuletzt einem Südamerikaner, zwei Afrikanern und einem Asiaten ist nun - einem ungeschriebenen Gesetz zufolge - wieder Europa damit an der Reihe, die Position zu besetzen. Merkel wäre die erste Frau an der Spitze der Weltorganisation und mit 62 Jahren genauso alt wie der amtierende UN-Generalsekretär bei seinem Amtsantritt.

In der UN-Vollversammlung würde Merkel in zwei Jahren eine absolute Mehrheit für ihre Wahl benötigen. Da sind besonders Stimmen aus Afrika wichtig. Während des EU-Afrika-Gipfels im April in Brüssel nahm sich Merkel ungewöhnlich viel Zeit für bilaterale Gespräche. „Der Nachbarkontinent Afrika gewinnt an Bedeutung“, hatte die Bundeskanzlerin während des Gipfels betont. Es war möglicherweise nicht ganz ohne Kalkül.

Letzte Änderung am Freitag, 27 Juni 2014 08:59
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