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Fachkräftemangel

Angela Merkel sieht Deutschland als Einwanderungsland

Donnerstag, 04 Juni 2015 16:08 geschrieben von 
Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Bundestagssitzung. Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Bundestagssitzung. Quelle: Bundesregierung / Foto: Guido Bergmann

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte während einer in Berlin stattfindenden Veranstaltung mit dem Titel „Gut leben in Deutschland – Was uns wichtig ist“, dass Deutschland „im Grunde schon ein Einwanderungsland“ sei. Sie appellierte zudem an die Bevölkerung, die Bundesrepublik brauche eine bessere Willkommenskultur.

„Wir müssen hier noch sehr viel selbstbewusster sagen: Es kann etwas sehr Bereicherndes sein.“ So gebe es etwa eine ganze Reihe von Berufen, für die in Deutschland nicht ausreichend Facharbeiter zur Verfügung stünden. Man sollte diese konkreten Stellenangebote etwa an Afrikaner weiterleiten, erklärte die Kanzlerin. Diese sollten darauf hingewiesen werden, dass es in Deutschland einen Mangel beispielsweise an Chemielaboranten gebe. Wer diese Qualifikation habe, könne ohne Asylantrag nach Deutschland einreisen.

Offenbar schwebt Merkel vor, zusätzlich zu den hauptsächlich schlecht ausgebildeten Wirtschaftsasylanten, die aus Afrika und anderswo nach Deutschland strömen, auch noch die Gutqualifizierten gezielt nach Deutschland zu holen. Besäße Deutschland keine Arbeitslosen wäre dieser Gedankengang, wenn er moralisch auch weiterhin verwerflich bleibt, noch in Ansätzen nachvollziehbar. So jedoch ist Merkels Aussage doppelt schlimm, denn was kann es Gutes daran geben, wenn aus einem ohnehin wirtschaftlich am Boden liegendem Land nun auch noch die wenigen qualifizierten Einheimischen gezielt in andere Länder abgeworben werden?

Kaum hatte die Kanzlerin diese Worte formuliert, verkündete auch prompt der Innenminister Sachsen-Anhalts, Holger Stahlknecht (CDU), sein Bundesland habe zu wenig Ausländer. „Ich bin der Auffassung, dass wir einen Ausländeranteil von zehn bis fünfzehn Prozent gut vertragen könnten – ja, sogar benötigen!“

Berechnungen hätten ergeben, dass dem Bundesland im Jahr 2020 rund 100.000 Arbeitskräfte fehlen könnten, erklärte Stahlknecht. „Wir brauche in Migrationsmarketing in Deutschland. Einen Kampf um die besten Köpfe.“ Dabei gehört Sachsen-Anhalt zu einem der drei Bundesländern in Deutschland, die seit Jahren die höchste Zahl an Arbeitslosen bietet. Rund zehn Prozent der Bevölkerung suchen hier Arbeit.

Die SPD begrüßte die Äußerungen des CDU-Politikers postwendend. Christian Soeder, der Sprecher des Forums Netzpolitik erklärte auf seinem Twitterprofil, das Wichtigste bei der Einwanderung sei für ihn die schnelle Einbürgerung, „damit NPD und AfD noch weiter ausgedünnt werden“.

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