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Selbstschutz

Anträge für kleinen Waffenschein steigen rasant

Dienstag, 09 Februar 2016 22:02 geschrieben von  Susanne Hagel
Anträge für kleinen Waffenschein steigen rasant Bildquelle: PIXABAX.COM

Köln - Immer mehr Deutsche fürchten sich offenbar davor, Opfer von Gewalt zu werden. Sie wollen sich lieber selbst schützen, statt sich auf die Polizei zu verlassen. Die Zahl der Anträge für den kleinen Waffenschein, der zum Mitführen von Schreckschusspistolen und Pfefferspray berechtigt, ist massiv angestiegen.

Wie das Bundesinnenministerium auf Anfrage der Grünenabgeordneten Irene Mihalic mitteilte, sei die Zahl der kleinen Waffenscheine allein im Zeitraum von Ende November bis Ende Januar um 21.000 angestiegen. Die Gesamtzahl der im Nationalen Waffenregister gespeicherten kleinen Waffenscheine betrug 301.000.

Der Schein berechtigt zum Tragen von Reiz-, Signal- und Schreckschusswaffen. Er muss lediglich beantragt werden, Auflagen gibt es bisher keine. Bereits seit Beginn der Asylkrise verzeichnen die deutschen Behörden ein wachsendes Interesse an diesem Dokument. Seit der Kölner Silvesternacht habe sich die Zahl noch einmal erhöht.

In dem sprunghaften Anstieg spiegele sich die wachsende Verunsicherung der Bevölkerung, so Mihalic. „Man stelle sich vor, dass bei Großveranstaltungen wie Karneval Menschen in bestimmten Situationen vorschnell zur Waffe greifen und so vielleicht Chaos und Gewalt erst provozieren“, kritisierte sie. „Wenn (…) immer mehr Menschen Waffen tragen, wird das eher zur Eskalation als zur Beruhigung der Lage beitragen.“

Deshalb fordert die Grünen-Politikerin, „Lücken im Waffenrecht“ zu schließen. „Ein Baustein wäre, dass auch Kauf und Besitz von Schreckschusswaffen, Pfefferspray und Co. zukünftig erlaubnispflichtig werden.“ Es gebe angesichts der konstanten Bedrohungslage durch Anschläge vieles, was wir sicherheitspolitisch brauchen, erklärte sie. „Aber mehr Waffen brauchen wir in dieser Situation bestimmt nicht.“

Auch die Zahl der Schusswaffen, die nur mit einem großen Waffenschein besessen werden dürfen, stieg im vergangenen Jahr deutlich an: Ende November 2015 erhöhte sich die Zahl der in deutschen Privathaushalten registrierten Waffen im Vergleich zum Vorjahr um 114.000 Gewehre und Pistolen auf 5,8 Millionen. Ingo Meinhard, Geschäftsführer des Verbands deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler, berichtet davon, dass zudem Placebowaffen und CS-Gas bundesweit immer wieder leergekauft würden.

„Die Lage hat sich nach den Übergriffen in Köln verschärft“, bestätigt auch der Vorstandsvorsitzende von Prolegal, der Interessengemeinschaft für Waffenschutz, David Schiller. „Die Zahlen sind alarmierend. Sie zeigen ganz deutlich, dass sich Privatmenschen in Deutschland nicht mehr sicher fühlen.“

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