www.derfflinger.de

Freigegeben in Politik

Obama macht sich unbeliebt

Auch der US-Wirtschaft bekommen die Russland-Sanktionen nicht

Mittwoch, 06 August 2014 11:34 geschrieben von  Jens Hastreiter
US-Präsident Barack H. Obama US-Präsident Barack H. Obama Quelle: pixabay.org

Washington - Am 16. Juli kündigte der US-Präsident Barack Obama einseitige Sanktionen an, die russischen Rüstungs- und Energiekonzernen den Zugang zu amerikanischen Bankkrediten verwehren. Die US-Wirtschaft wendet sich nun von Obama ab.

Die von Obama verhängten Sanktionen werden kaum Auswirkungen auf die russischen Unternehmen haben. Diese können jederzeit Kredite aus China, Frankreich oder Deutschland erhalten.

Die beiden größten US-amerikanischen Wirtschaftsvereinigungen, die „Chamber of Commerce“, die mehr als drei Millionen Unternehmen vertritt, und der Industrieverband „National Association of Manufacturers“ (NAM), der 11.000 Firmen repräsentiert, veröffentlichten dieser Tage in der „New York Times“, dem „Wall Street Journal“ und der „Washington Times“ Anzeigen, in denen sie sich gegen Sanktionen aussprechen.

Washington hingegen untergräbt mit den Sanktionen gegen Russland seine eigene Machtposition und seinen Einfluß. Denn die Sanktionen bestärken diejenigen Länder, die sich aus dem Dollar-Zahlungssystem zurückziehen wollen. Das Dollar-Zahlungssystem bildet aber die Grundlage der US-amerikanischen Weltstellung. So erklärte kürzlich der Gouverneur der französischen Zentralbank und Mitglied des Europäischen Zentralbankrates, Christian Noyer, die Sanktionen Washingtons drängten Unternehmen und Länder geradezu aus dem Dollar-Zahlungssystem heraus. Als Beispiel nannte er die hohe Strafe von fast neun Milliarden Dollar, die der französischen Bank BNP Paribas auferlegt wurde, weil diese geschäftliche Beziehungen zu Ländern unterhielt, die von Washington abgelehnt werden. Dies verdeutliche die zunehmenden Risiken, die aus der Nutzung des Dollar erwachsen können, wenn Washington allein die Regeln bestimmt.

Noyer erinnerte auch an die zahlreichen Sanktionen Washingtons in der Vergangenheit und lenkte den Blick auf zukünftige Sanktionen. Eine davon blüht beispielsweise noch der deutschen Commerzbank. Sie hat Geschäfte in und mit Ländern wie Iran und Sudan abgewickelt, und das entgegen bestehenden US-Sanktionen. Das Geldinstitut muß sich deswegen nun vor den US-Behörden verantworten. Insidern zufolge muß die Commerzbank voraussichtlich 600 bis 800 Millionen Dollar zahlen, um ihren Streit mit den US-Behörden über Verstöße gegen US-Sanktionen beizulegen.

Beobachter sehen jetzt eine Bewegung sich formieren, die eine Diversifizierung der Währungen fordert, die im internationalen Handel benutzt werden. Noyer verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß etwa der Handel zwischen Europa und China nicht in Dollar abgewickelt werden müsse, sondern auch vollständig in Euro oder Renminbi bezahlt werden könnte.

Die Tatsache, daß die Gültigkeit US-amerikanischer Spielregeln einfach auf alle in Dollar ausgewiesene Transaktionen weltweit ausgedehnt wird, verleiht Bestrebungen, das Dollar-Zahlungssystem zu verlassen, nur zusätzliche Dynamik. Deshalb haben einige Länder auch bereits bilaterale Vereinbarungen mit ihren Handelspartnern abgeschlossen, um ihre Handelszahlungen in ihren eigenen Währungen abwickeln zu können.

Der Wechselkurs des Dollar hängt von seiner Rolle im internationalen Zahlungssystem ab. Wenn seine Bedeutung abnimmt, werden auch die Nachfrage nach dem US-Dollar und sein Wechselkurs sinken. In der Folge wird es dann zu höheren Importpreisen, zu einer höheren Inflation und zu einem weiteren Absinken des Lebensstandards der US-Amerikaner kommen. Dafür können sich die US-Bürger dann bei ihrer Regierung bedanken.

Artikel bewerten
(6 Stimmen)