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Rede im Bundestag

Auschwitz ist für Joachim Gauck Teil der deutschen Identität

Mittwoch, 28 Januar 2015 22:39 geschrieben von 
Auschwitz ist für Joachim Gauck Teil der deutschen Identität Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Berlin - Bundespräsident Joachim Gauck hat im Rahmen seiner Bundestagsrede anlässlich des Gedenkens an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz von den Deutschen gefordert, sich stärker und bewusster des Holocausts zu erinnern. Die Erinnerung an den Holocaust sei Sache aller Bürger, die in Deutschland leben. Auch rief er die Bürger dazu auf, auch künftig das Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen zu ermöglichen.

Gauck dazu wörtlich: „Die Gemeinschaft, in der wir alle leben wollen, wird nur dort gedeihen, wo die Würde des Einzelnen geachtet wird und wo Solidarität gelebt wird.“ Laut Gauck erfülle sich die moralische Pflicht „nicht nur im Erinnern“. Früher habe man die Auseinandersetzung mit dem NS-Regime gescheut, später wurde „die Konfrontation mit den Verbrechen der Vergangenheit zu einem Kernbestand ihrer Geschichtserzählung gemacht“. Die Bundesrepublik sei für Gauck dadurch „zum glaubwürdigen Partner für ein friedvolles und gleichberechtigtes Zusammenleben von Bürgern und Nationen geworden“.

Gauck hält es aber auch für möglich, dass vor allem bei jungen Menschen die Erinnerung an den Holocaust schwinden könnte. Gauck dazu wörtlich: „Ich teile diese Befürchtung nicht, bin mir aber bewusst, dass sich die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit weiter verändern wird und verändern muss.“

Gauck hält die Erinnerung an den Holocaust für einen wesentlichen Bestandteil der politischen Kultur. Gauck dazu wörtlich: „Und mag der Holocaust auch nicht mehr für alle Bürger zu den Kernelementen deutscher Identität zählen, so gilt doch weiterhin: Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz.“ Der Holocaust gehöre „zur Geschichte dieses Landes“.

Es ist bezeichnend, dass der Bundespräsident sich wieder einmal als Gewissen der Nation aufspielt. Einerseits soll es bis in alle Ewigkeit eine Bürgerpflicht sein, den Holocaust im kollektiven Gedächtnis zu behalten und eine Art dauerhafter Kollektivschuld zu kultivieren. Andererseits gilt es als übelster Antisemitismus, die menschenverachtende Politik gegenüber den Palästinensern zu kritisieren. Selbst sachliche Kritik an der Politik Israels gilt als politisch unkorrekt. Die Haltung gegenüber Israel unterliegt in Deutschland einer gewissen Doppelmoral. So wird alles, was mit Israel zu tun hat, einem quasi-zivilreligiösem Bekenntnis unterworfen.

 

Auch ist in diesem Zusammenhang zur Kenntnis zu nehmen, dass einer aktuellen Bertelsmann-Studie zufolge 81 Prozent der Deutschen einen Schlussstrich unter die inflationäre Bewältigung der NS-Zeit ziehen wollen. Bei diesen 81 Prozent dürfte Gauck mit seiner Rede nicht auf Wohlwollen stoßen.

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