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Kehrtwende

Bayern genehmigt Zwischenlagerung von sieben Castoren

Mittwoch, 09 Dezember 2015 22:38 geschrieben von  Susanne Hagel
Verladung eines Castor-Behälters Verladung eines Castor-Behälters Quelle: de.wikipedia.org | Dennis140 derivative work: Saibo (Δ) - Castor_container_2001-03_in_Dannenberg.jpg | CC BY-SA 3.0

München - Überraschend stimmte die CSU der Zwischenlagerung von Atommüll im Freistaat Bayern zu – sieben Castoren sollen nun am Kernkraftwerk Isar II bei Landshut für mindestens 25 Jahre in Bayern eingelagert werden.

Das geht aus einer Erklärung des Staatskanzleichefs Marcel Huber (CSU) hervor. Er erklärte, statt der von der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) vorgesehenen neun Castoren werden nur sieben eingelagert. Damit legt die bayerische Landesregierung unter Horst Seehofer (CSU) eine Kehrtwende beim Thema Atommüll hin, denn noch im Sommer hatte sie sich vehement gegen eine Zwischenlagerung ausgesprochen. Bedingung für die Zwischenlagerung sei jedoch, dass auch die anderen in Betracht kommenden Bundesländer Atommüll einlagern.

Zwar dankte Hendricks dem bayerischen Ministerpräsidenten für seine „konstruktive Haltung“, viel Aussicht auf Erfolg hatte der Protest der Politiker wohl aber ohnehin nicht gehabt: Schließlich produziert der Freistaat Bayern den meisten Atommüll in Deutschland. „Wir haben den Ausstieg aus der Atomenergie im breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens beschlossen. Ebenso müssen wir jetzt auch die Altlasten, die aus der Nutzung der Atomenergie entstanden sind, gemeinsam abarbeiten“, so Hendricks.

In der Vereinbarung sei festgelegt worden, dass der Zeitplan für die Endlagersuche eingehalten werden soll. „Es bleibt dabei, dass aus Zwischenlagern keine Endlager werden sollen“, betonte Seehofer. Man habe sich zunächst auf eine Zwischenlagerung von mindestens 25 Jahren geeinigt. Die Castoren sollen ab 2020 bis 2045/46 in Bayern verbleiben, erläuterte Huber. Bis 2031 will die zuständige Kommission festlegen, wo das Endlager für Atommüll entstehen wird.

Jochen Stay, der Sprecher der Atomgegner „Ausgestrahlt“ gab zu bedenken, dass die Castoren nur auf vierzig Jahre ausgelegt seien. „Es ist aber derzeit überhaupt nicht absehbar, dass bis Mitte des Jahrhunderts mit dem Abtransport in ein langfristiges Atommülllager begonnen werden kann“, so Stay. Selbst wenn bis dahin ein Endlager gefunden sei, wird es noch weitere Jahrzehnte dauern bis aller Atommüll aus den Zwischenlagern eingelagert wurde. „Ob die Behälter so lange dicht halten, ist ungewiss.“

Hendricks plant in Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein sieben Castoren aus England einzulagern. Im baden-württembergischen Philippsburg sollen fünf Castoren mit deutschem Atommüll aus der Wiederaufbereitung in Frankreich zwischengelagert werden.

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