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Jetzt doch Fracking in Deutschland?

Bei der Bundesregierung deutet sich eine Kehrtwende an

Dienstag, 10 Juni 2014 17:41 geschrieben von  Jens Hastreiter
Bei der Bundesregierung deutet sich eine Kehrtwende an Quelle: www.ramehart.com

Berlin - Obwohl noch im Koalitionsvertrag auf das „erhebliche Risikopotential“ der „Fracking“-Technologie zur Öl- und Gasgewinnung hingewiesen wurde, will die Bundesregierung das umstrittene Verfahren nun erlauben.

Die Bundesregierung hält trotz Warnungen von verschiedenen Seiten an den Planungen für ein Gesetz zur Schiefergasöl-Förderung, genannt „Fracking“, fest. In den kommenden Wochen soll noch vor der Sommerpause ein Entwurf fertiggestellt werden.

Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD wurde noch auf das „erhebliche Risikopotential“ der Fracking-Technologie hingewiesen. Die Entsorgung des Rückflusses des Wasser-Sand-Chemikaliengemisches sei „derzeit nicht verantwortbar“. Daher wurde der Einsatz von Chemikalien beim Fracking verboten. Eine Schiefergasöl-Förderung wie in den USA sei in Deutschland unmöglich. Im Koalitionsvertrag heißt es, dass über Fracking-Anträge erst entscheiden werden könne, wenn genügend wissenschaftliche Daten zur Bewertung vorlägen.

Hintergrund für die beschleunigte Gesetzesplanung dürften vor allem die von den USA von der EU und von Deutschland geforderten Sanktionen gegen Rußland sein. Dadurch bekommen Bedenken im Zusammenhang mit der Abhängigkeit der Europäischen Union von Erdgaslieferungen aus Russland neue Nahrung. So soll nach dem Arbeitsplan der SPD-geführten Ministerien ein entsprechendes Gesetz bis Ende 2014 beschlossen werden, wobei auch der Bundesrat zustimmen muss.

EU-weit treiben die großen westlichen Energiekonzerne die Exploration von möglichen Fördergebieten voran. Auch in Deutschland finden zahlreiche Probebohrungen statt, wobei die Energiekonzerne intensiv darum bemüht sind, die maßgeblichen Entscheidungsträger von der Ungefährlichkeit des Fracking zu überzeugen, obwohl diese Form der Erdöl- oder Erdgasgewinnung höchst bedenklich ist.

Beim Fracking wird nach Erstellung einer bis zu mehreren tausend Meter tiefen Bohrung zur Erhöhung der Durchlässigkeit der Gesteine unter hohem Druck Wasser durch das Bohrloch in den tieferen Untergrund gepumpt, das in der Regel mit chemischen Zusätzen und Stützmitteln versetzt ist. Untersuchungen der Universität von Missouri in Columbia beispielsweise ergaben, dass beim Fracking eingesetzte Spülflüssigkeiten in das Grundwasser benachbarter Brunnen gelangten.

In Niedersachsen hat sich ExxonMobil bereits weitgehende Rechte gesichert. Im vergangenen Herbst berichtete der Sender NDR darüber: „ExxonMobil will ein altes Erdgasfeld bei Bötersen im Landkreis Rotenburg (Wümme) ausschöpfen. Da die Förderung dort zuletzt nur noch mäßigen Erfolg brachte, kündigte der Energieriese vor zwei Jahren an, durch Fracking noch tiefer unter der Oberfläche neue Vorkommen erschließen zu wollen. Eine Bürgerinitiative will das aus Angst vor giftigen Chemikalien im Grundwasser verhindern. Doch die Aussichten sind schlecht. Exxon hat die Unterlagen für das Genehmigungsverfahren fast vollständig zusammen. Die Zusage des Landesbergamts gilt als sicher und könnte bereits 2014 erfolgen.

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