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Pannenflughafen BER

BER ist „final gescheitert“

Montag, 28 September 2015 19:00 geschrieben von  Susanne Hagel
Flughafen BER Flughafen BER Quelle: berlin-airport.de

Berlin - Es mutet auf den ersten Blick wie ein Schildbürgerstreich an, wenn der Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen (CDU) fordert, den Pannenflughafen BER komplett neu zu bauen, doch die Äußerung ist womöglich realistischer als viele vorher. Nach einer nicht abreißenden Serie von Pannen, Fehlplanungen, Korruptionen und Abermillionen Euro, die schlichtweg im Flughafen oder diversen Taschen verschwunden sind, ist nun ein neuer Tiefpunkt erreicht.

„Wenn wir wirklich nicht weiterkommen, muss man das Gebäude entweder entkernen – das heißt: den Beton stehen lassen und innen alles neu machen – oder man baut wirklich neu“, sagte Koeppen. Der Neubau könnte dann wenigstens auch gleich die richtige Größe haben - nicht wie die aktuelle Baustelle, die viel zu klein ist. Der BER ist für 22 Millionen Passagiere pro Jahr konzipiert – neueste Berechnungen gehen aber von bis zu vierzig Millionen Passagieren jährlich aus.

Die Äußerung markiert den vorläufigen Schlusspunkt einer Reihe von Pannen, die wohl, so deuteten Rainer Bretschneider, der Aufsichtsratvorsitzende und der Flughafenchef Carsten Mühlenfeld bereits an, noch lange nicht zu Ende sein dürfte. Aktuell herrscht wieder einmal Baustopp. Man hatte versehentlich viel zu schwere Ventilatoren an die Decke gehängt, als ursprünglich vorgesehen. Ob diese für die bis zu vier Tonnen schweren Geräte geeignet ist, prüfen derzeit Statiker. Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup rechnet frühestens in vier Wochen mit einer Freigabe der Baustelle.

Der Aufsichtsrat hatte am Freitag beschlossen, den viel zu kleinen BER weiter ausbauen zu lassen. Rund 48 Millionen Euro sollen in ein provisorisches Terminal fließen, weitere 17 Millionen Euro sollen in den Ausbau des Schönefelder Terminals investiert werden. In guter alter Tradition verkündete Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zu dieser Gelegenheit ein weiteres Mal, dass der Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen, zuletzt für den Herbst 2017 angekündigt, vermutlich nicht gehalten werden kann. „Es gehört zur Wahrheit dazu, dass es knapp wird mit den Zeiten“, so Müller. Zwar seien noch nicht alle zeitlichen Puffer aufgebraucht, viel Spielraum bliebe aber nicht mehr übrig.

Auch der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses im Berliner Parlament, Martin Delius (Piraten), erklärte den Neubau als „final gescheitert“. Er forderte, anstelle ständiger Personalwechsel auf Managerebene sollten die Strukturen geändert werden und die Flughafengesellschaft in eine Betreiber- und Projektgesellschaft aufgeteilt werden. So könnte es vielleicht gelingen, verlässliche Informationen über die Kosten und den Werdegang der Baustelle zu erhalten.

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