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Bettelmafia

Berlin verbietet Kinderbettelei

Mittwoch, 24 Juni 2015 20:04 geschrieben von  Dirk Schneider
Frank Henkel - Senator für Inneres und Sport Frank Henkel - Senator für Inneres und Sport Bild: SenInnSport / Quelle: berlin.de

Berlin - Die Berliner Landesregierung wird das Betteln von Kindern beziehungsweise von Erwachsenen in Kinderbegleitung in Zukunft unter Strafe stellen, um die Kinder zu schützen. Wenn die Bezirke zustimmen, begehen Erwachsene, die mit Hilfe kleiner Kinder Geld erbetteln wollen, künftig eine Ordnungswidrigkeit und riskieren eine Strafe von bis zu fünfhundert Euro.

Einen entsprechenden Entwurf hatte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) am Dienstag im Senat vorgelegt. Bisher war es der Polizei nur gestattet gegen Kinderbettelei vorzugehen, wenn diese besonders aggressiv erfolgte. In München ist das Betteln von und mit Kindern hingegen schon länger verboten. Vor allem Romafamilien schicken ihre Kinder immer wieder zum Betteln auf die Straße. Das erbettelte Geld müssen die Kinder anschließend an Hintermänner abtreten.

„Nach fast zwei Jahren kommt das Verbot endlich“, begrüßte Joschka Langenbrinck, der Innenexperte der SPD, die Verordnung. „Wir müssen hilflose Kinder davor schützen, von der Bettelmafia ohne Skrupel ausgenutzt zu werden.“ Bisher wurden bettelnde Kinder, die ohne Begleitung Erwachsener aufgegriffen worden, „dem Berliner Notdienst Kinderschutz oder den Jugendämtern übergeben, wenn sie einer Inobhutnahme bedürfen“, teilte die Senatsinnenverwaltung mit. Eine statistische Erfassung über die Anzahl der bettelnden Kindern gebe es jedoch nicht.

Als besonders „abstoßende Masche“ bezeichnet Heinz Buschkowsky (SPD), der ehemalige Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, das Betteln mit Kindern. „Entweder werden sie klagend dem Bettelopfer entgegengestreckt oder liegen apathisch neben oder auf dem Schoß einer Frau. Immer wieder gibt es Vorwürfe, dass sie dabei durch Medikamente ruhiggestellt werden. Ungefähr vom fünften Lebensjahr an, müssen die Kinder dann selbst auf Tour und Geld ranschaffen“, berichtet der SPD-Politiker. „Kinder werden brutal ausgebeutet. Die Entwicklung und Entfaltung ihre eigenen Persönlichkeit wird unterdrückt. So raubt man schon den Jüngsten ihre Würde. Das ist eine Gefährdung des Kindeswohls. Und die ist bei uns geächtet.“

Der Kinderschutzbund Berlin hatte in der Vergangenheit davor gewarnt, das „nächste lebensunpraktische Gesetz“ auf den Weg zu bringen. Es sei ja grundsätzlich „gut, dass sich jemand Gedanken macht, aber es muss die Machbarkeit geprüft werden“, erklärte Pressesprecherin Alex Jacob. „Uns geht es in erster Linie um eine Lösung, die den Kindern wirklich hilft.“ Deshalb müsse die Umsetzbarkeit des Verbots überprüft werden und sich die Jugendverwaltung und die Polizei zusammensetzen. Außerdem, so Jacob, sei es wichtig, die Bettler auch in ihrer Heimatsprache darüber aufzuklären, was sie ihren Kindern damit antun. Deshalb müssten dringend mehr Sozialarbeiter eingesetzt werden. Außerdem müsse die Bevölkerung aufgeklärt werden, unter keinen Umständen Geld an bettelnde Kinder zu geben, da man in den meisten Fällen nicht den Kindern hilft, sondern die Bettelmafia unterstützt.

Nicht verboten werden hingegen die alljährlichen Sternensinger, Kinder, die zu Halloween um Süßigkeiten betteln und Schulkinder, die mit einem Lehrer Geld für eine Klassenfahrt sammeln.

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