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Handwerkskammern besorgt

Betriebe in Grenzregion fühlen sich zunehmend bedroht

Freitag, 26 September 2014 17:46 geschrieben von  Torsten Müller
Oder/Neiße-Grenze Oder/Neiße-Grenze Bild: Christoph Lingg - Eine Karte von demis.nl | CC-BY-SA-2.0-de

Frankfurt/Oder - Die Grenzkriminalität macht Unternehmen im grenznahen Raum mehr und mehr zu schaffen. So sind brandenburgischen Unternehmen etwa zwei Millionen Euro Schaden durch Einbrüche und Diebstahl entstanden. 140 Unternehmen meldeten einen Gesamtschaden von 2,17 Millionen Euro. Dies bedeutet einen Anstieg von über 700.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Folgeschäden wie Produktionsausfälle sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt. Die Handwerkskammer Cottbus sieht ganze Unternehmen durch die überhand nehmende Kriminalität bedroht.

Einer aktuellen Umfrage der Handwerkskammern Cottbus und Dresden zufolge bewertet die Hälfte der südbrandenburgischen Betriebe die Sicherheitslage als schlecht. In Ostsachsen sind es 40 Prozent der Betriebe, die die Sicherheitslage als enorm verbesserungsbedürftig betrachten. Die Zahl der Straftaten in den grenznahen Gemeinden Brandenburgs ist im vergangenen Jahr um zehn Prozent gestiegen. Auch in der für die polnische Grenze zuständigen Polizeidirektion Görlitz stiegen die Fallzahlen um 5,9 Prozent an. Mehr als zwei Drittel der brandenburgischen Unternehmen beklagen eine zu geringe Polizeipräsenz, in Sachsen sind es 58 Prozent. Die gravierendsten Engpässe werden im Landkreis Spree-Neiße, der kreisfreien Stadt Cottbus und im Landkreis Görlitz beklagt. 

Etwa die Hälfte der befragten Unternehmen ist im vergangenen Jahr Opfer von Kriminalität geworden. Zahlreiche Betriebe wurden sogar mehrfach von Kriminellen heimgesucht.

Der Präsident der Handwerkskammer Cottbus, Peter Dreißig sagte dazu: „Es geht um große wirtschaftliche Schäden und damit um Arbeitsplätze und um die Existenz von Unternehmen.“ Ebenso wie sein Kollege aus Dresden, Jörg Dittrich, fordert er eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit sowie die Aufstockung des Personals an Gerichten, um die Verfahren beschleunigen zu können. Auch solle das Problem der Rauschgiftkriminalität stärker als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen werden.

Die Angst vor der zunehmenden Kriminalität erweise sich mehr und mehr auch als Standortnachteil für den grenznahen Raum, der ohnehin in weiten Teilen unter der sozioökonomischen sowie der demographischen Entwicklung zu leiden hat.

Es erweist sich als grobe politische Fahrlässigkeit, angesichts des Wegfalls der Grenzkontrollen zu Polen und Tschechien im Jahr 2007 und den damit verbundenen sicherheitspolitischen Konsequenzen Polizeireformen durchgeführt zu haben, in deren Folge massiv Personal zusammengestrichen wurde. Es war abzusehen, dass die Kriminalität steigen würde und dass man dann nicht weniger, sondern mehr Polizeipräsenz brauchen würde.

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