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Asylanträge werden im kommendem Jahr weiter ansteigen

Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bereitet sich auf mehr Asylanten 2015 vor

Donnerstag, 25 Dezember 2014 17:17 geschrieben von  Susanne Hagel
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Berlin - Laut einer Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wird die Anzahl der Asylanten in Deutschland 2015 weiter ansteigen.

"Wir rechnen bisher im nächsten Jahr mit 200 000 Erstanträgen und 30 000 Folgeanträgen", erklärte Manfred Schmidt, der Präsident des Bundesamtes. Als Gründe nannte Schmidt neben der aktuellen Krisensituation in Syrien und im Irak auch die Attraktivität Deutschlands als Zufluchtsland. Bereits 2013 stieg die Zahl der gestellten Anträge auf den höchsten Stand seit vierzehn Jahren. In diesem Jahr wurde die Gesamtzahl von 2013, 127.000 Anträge insgesamt, bereits Mitte des Jahres übertroffen. Um die Situation für die Asylantragsteller im kommenden Jahr zu verbessern und die Behörden zu entlasten, würden deutschlandweit zwölf neue Erstaufnahmeeinrichtungen eröffnet. Den Anfang mache Deggendorf in Bayern, dessen Einrichtung im Januar den Betrieb aufnehmen wird. In den letzten Monaten hatte der massive Flüchtlingsstrom die Behörden völlig überfordert. So wurden von Januar bis November 2014 in Deutschland insgesamt 181.453 Asylanträge gestellt, wovon 155.472 Erstanträge und 26.026 Folgeanträge gewesen seien, so Schmidt. Die neuen Aufnahmeeinrichtungen seien ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. "Sollten wider Erwarten weniger Flüchtlinge kommen, müssen manche Erstaufnahmeeinrichtungen und Bundesamtsaußenstellen trotzdem gehalten werden. Die Freiwillige Feuerwehr bauen wir ja auch nicht erst auf, wenn die Hütte schon brennt", so Schmidt. Um mit der Situation zurecht zu kommen, müsse man bestimmte Kosten aufwenden. Dies bedeute auch, dass künftig mehr Mitarbeiter für die Bearbeitung der Anträge zuständig sein werden, um die Bearbeitungszeit zu verkürzen: rund dreihundert neue Mitarbeiter werden deshalb bis zum Jahresende eingestellt, 350 weitere werden im kommenden Jahr hinzukommen. "Sie werden im Sommer so weit sein, dass sie alleine Anhörungen durchführen können", versicherte der Bundesamts-Chef. So habe die Bundesregierung vorgegeben, die Verfahrensdauer von derzeit durchschnittlich sieben Monaten auf drei zu verkürzen. "Wenn die Entwicklungen so eintreffen, wie wir hoffen, werden wir Mitte des Jahres bei unter sieben Monaten sein", erklärte Schmidt. "Am Ende der Legislaturperiode auf drei Monate zu kommen, das wäre gut." Aktuell stünden bisher jedoch noch 163.000 offene Anträge aus - davon allein 15.000 älter als zwei Jahre.

Die Kommunen zeigten sich unterdessen angesichts des weiteren angekündigten Anstiegs besorgt. "Es wird großer Anstrengungen bedürfen, die Menschen, die wahrscheinlich länger als wir denken bei uns bleiben werden, unterzubringen, zu versorgen und zu integrieren", warnte die Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages, die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU). Der Deutsche Städtetag forderte ebenfalls mehr Geld vom Bund und Ländern. ProAsyl äußerte erhebliche Kritik an den Maßnahmen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. "Damit wird die Lage zwar kurzfristig verbessert und die Dauer der Asylverfahren verkürzt. Wir brauchen aber ein Integrationskonzept und nicht ein Konzept, wie wir Obdachlosigkeit vermeiden", so der Geschäftsführer Günter Burkhardt. Außerdem gelte: "Ein schnelles Verfahren ist nicht immer auch ein gründliches Verfahren." Deutschland kapsele sich immer mehr ab, so Burkhardt. "Die Flucht nach Europa wird zunehmen, und gleichzeitig steigt auch die Bemühung Deutschlands, sich abzuschotten." Ilse Junkermann, die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, forderte, Asylsuchende sollten schneller eine Arbeitserlaubnis erhalten. Sobald sie ausreichend deutsch sprechen, sollte diese erteilt werden. Durch das derzeitige Arbeitsverbot sei es leicht, den Asylanten vorzuwerfen, sie lägen den Deutschen auf der Tasche. "Das sind Probleme, die wir selbst produzieren", sagte Junkermann.

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