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Mit High-Tech-Fregatten gegen den Personalmangel

Bundesmarine fehlen 1400 Soldaten – Besserung ist aber nicht in Sicht

Freitag, 08 August 2014 19:33 geschrieben von  Jens Hastreiter
S 76 „Frettchen“ der Bundesmarine S 76 „Frettchen“ der Bundesmarine © 2012 Bundeswehr / Björn Wilke Quelle: „Deutsche Marine“

Wilhelmshaven - Eigentlich hatte sich die Bundeswehr große, ambitionierte Aufgaben gesteckt. Rund um den Globus sollte es künftig gegen „Terroristen“ und für westliche Werte gehen. Doch jetzt stellt sich heraus: für solche ehrgeizigen Luftsprünge reicht es bei der Bundeswehr hinten und vorne nicht mehr. Sie hat sich im Zuge der „Reformen“ der letzten Jahre kräftig selbst ins Knie geschossen.

Jetzt mußte Marineinspekteur Axel Schimpf einräumen: bei seiner Teilstreitkraft fehlen über 1000 Soldaten. Die Personalsituation in seiner Truppe sei „kritisch“. Es fehlten rund 1.400 Mann, sagte Schimpf beim 14. Maritimen Sicherheitskolloquium in Rostock. Kritisch sei die Situation vor allem bei freiwillig Wehrdienstleistenden und Fachunteroffizieren. Die Sollstärke der Marine beträgt seinen Angaben zufolge im operationellen Kern 13.800 Soldaten.

Schimpf zeigte sich trotzdem zuversichtlich, daß die Personallücke der Bundesmarine und der gesamten Bundeswehr geschlossen werden kann. Die Entwicklung bei der Nachwuchsrekrutierung sei „ermutigend“, sagte er. Mit einer Werbe- und Imagekampagne sei es gelungen, die Marine ins Bewußtsein der Menschen zu rücken.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, André Wüstner, gibt sich dagegen realistischer. Er rechnet kurzfristig nicht mit einer Besserung der Personalsituation in der Marine. Er warnt zugleich davor, im Verteidigungshaushalt weiter zu sparen. Zwar sei die Bundeswehr in den vergangenen Jahren viel effizienter und auch besser geworden. Allerdings sei jetzt die Grenze erreicht.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, hatte zuvor ein Konzept zur Entlastung der Marinesoldaten angemahnt. Die steigende Belastung könne nicht dauerhaft auf dem Rücken der Soldaten und ihrer Familien abgeladen werden. Bei seinem Besuch von Marineeinheiten im Unifil-Einsatz im Libanon habe er Soldaten kennengelernt, die 190 oder gar 200 Tage im Jahr abwesend seien. Das sei zu entschieden zu viel.

Eine größere Erleichterung erhofft sich Königshaus vom Einsatz neuer Fregatten, die weniger personalintensiv seien. Bis dahin müßten kleinere Maßnahmen greifen. Als Beispiele nannte er Veränderungen bei den Hafen- und Brandwachen oder die Reduzierung der Werftbesatzungen. Als sinnvoll hätten sich auch Besatzungswechsel per Flugzeugtransfer erwiesen, die die Abwesenheitszeiten der Soldaten deutlich verringerten. Königshaus sagte, sein Wunsch sei auch, bei Wachen mehr Zivilkräfte einzusetzen.

Doch solche personalpolitischen Haltebefehle und Improvisationskunststücke haben sich schon bei den anderen Teilstreitkräften der Bundeswehr, vor allem beim Heer, nicht bewährt. Denn das Soldatenhandwerk ist auch im 21. Jahrhundert in einem Punkt unverbesserlich altbacken: den Mann an der Waffe kann eben niemand ersetzen. Da werden auch der Marine keine High-Tech-Drohnen und vollautomatisierte Wunderfregatten helfen.

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