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Energiekonzept ohne klares Ziel

Bundesregierung boykottiert eigene Energiewende

Dienstag, 11 November 2014 21:55 geschrieben von  Torsten Müller

Berlin - Dass die Energiewende der Bundesregierung voller Widersprüche ist, ist nichts Neues. So führt der Atomausstieg dazu, dass Kohleverstromung Hochkonjunktur hat, obwohl dies wiederum den anvisierten Klimazielen massiv zuwiderläuft.

Berechnungen des Fraunhofer-Instituts zufolge könnten 50.000 Unternehmen in Deutschland ihren Energieverbrauch bis 2020 deutlich reduzieren. Dies würde massiv Kosten einsparen und auch die Klimaziele der Bundesregierung realistischer werden lassen. Bis zum Jahr 2020 sei eine Energiereduktion in Höhe von 290 Petajoule möglich. Dies würde dem Stromverbrauch von etwa 23 Millionen Zweipersonenhaushalten entsprechen und den CO2-Ausstoß in Deutschland um ca. 23 Millionen Tonnen verringern.

Derzeit verfügt die Bundesregierung über kein klares Energiekonzept. Während Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) an Kohlekraftwerken festhalten will, will Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) alte Kohlekraftwerke abstellen. Gabriel sagte dazu: „Man kann nicht zeitgleich aus der Atomenergie und der Kohleverstromung aussteigen. Wer das will, sorgt für explodierende Stromkosten, Versorgungsunsicherheit und die Abwanderung großer Teile der deutschen Industrie.“ Das allerdings hätte man auch schon früher wissen können.

Auch will sich Gabriel, der sich kurz nach der Bundestagswahl 2013 noch als Energieminister feiern ließ, offenbar aus der Verantwortung ziehen: „Ich bin allerdings sicher, dass die Frage, welche Kraftwerke am Netz bleiben und welche stillgelegt werden, die Unternehmen entscheiden sollten und nicht der Staat.“ Die Stilllegung deutscher Kraftwerke führe dazu, dass der Kohlestrom eben in anderen Ländern produziert und die Luft gleichermaßen verschmutzt wird. Das Gleiche gilt allerdings  auch für Atomkraftwerke, die im Osten Europas nun massenhaft erst aufgebaut werden sollen.

Franzjosef Schafhausen vom Fraunhofer-Institut hält die bisherigen Maßnahmen nicht für geeignet, die Unternehmen in Deutschland zur Verringerung des Energieverbrauchs anzuregen. Das Kabinett hatte zwar jüngst beschlossen, Buchprüfungen auf Energieeffizienz in 50.000 Unternehmen durchführen zu wollen. Eberhard Jochem, Effizienz-Experte am Fraunhofer-Institut dazu wörtlich: „Die Unternehmen müssen Effizienzmaßnahmen weder zeitnah umsetzen, noch müssen sie nachweisen, dass sie alle für sie rentablen Potenziale ausschöpfen.“

Jochem weist darauf hin, dass vor allem die Unternehmen selbst etwas davon hätten, wenn sie ihren Energieverbrauch deutlich verringern würden. So ergaben seine Berechnungen, dass, wenn die Unternehmen bis 2020 15 Milliarden Euro in Energieeffizienz investieren würden, sie pro Jahr fünf Milliarden Euro an Energiekosten einsparen könnten, sodass sie bereits nach drei Jahren die Modernisierungskosten wieder eingespielt hätten.

Doch dafür Anreize zu setzen hat die Bundesregierung bisher nicht für nötig gehalten.

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