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Ursula von der Leyen laviert

Bundeswehr weist gravierende Mängel auf

Freitag, 26 September 2014 17:54 geschrieben von  Torsten Müller
Bundeswehr weist gravierende Mängel auf Quelle: bundeswehr.de

Berlin - Ursula von der Leyen (CDU) hat sich als neue Bundesverteidigungsministerin gleich mit untypischen Ideen in die Debatte eingebracht. Da war von einer attraktiveren Bundeswehr die Rede, von mehr Familienfreundlichkeit. Das wäre ja alles ganz nett, wenn sie denn die Hausaufgaben schon gemacht hätte.

Wie mehrere Generäle nun einräumen mussten, sind große Teile der fliegenden Bundeswehrflotte, bestehend aus Helikoptern, „Eurofightern“ und Transportmaschinen, nicht mehr einsatzfähig. Unter dem Titel „Materielle Einsatzfähigkeit der Teilstreitkräfte“ präsentierten Inspekteure von Heer, Marine und Luftwaffe nun dem Verteidigungsausschuss des Bundestages einen zehnseitigen Bericht, der massive Lücken offenbarte.

So seien die verfügbaren Flugzeuge kurz vor der Überlastung. Das Stichwort „kreative Mangelverwaltung“ machte die Runde. Sowohl beim Heer als auch bei der Marine müssen zahlreiche Helikopter wegen technischer Mängel am Boden bleiben. Von 31 „Tiger“-Modellen seien nur zehn einsatzbereit. Bis auf vier Helikopter gilt die gesamte Marine-Flotte als nicht flugfähig. Viele Waffensysteme gelten als „nicht versorgungsreif“.

Auch bei der Luftwaffe sind es immer mehr Geräte, die nicht einsatzfähig sind. So sind von 109 „Eurofightern“ nur 42 einsatzbereit, bei den „Tornados“ sind es 38 von 89. Die gleichen vernichtenden Urteile werden bezüglich der Transportflieger und Raketenabwehrsysteme gefällt.

Sollte es – man will es natürlich nicht beschreien – nötig werden, dass feindliche Kampfjets über Deutschland abgefangen werden müssen, wären dazu nur noch vier eigene Kampfjets im Stande.

Auch bei den Panzern scheint der Mangel gravierend zu sein. So sind von 180 „Boxer“-Modellen nur 70 einsatzfähig. Im Ausschuss wurde daher auch kritisiert, dass der Anspruch von der Leyens von einer modernen und einsatzbereiten Bundeswehr nicht mit der Realität übereinstimme.

Auch wenn die Misere nicht von von der Leyen verursacht wurde – die Mängel gehen auf Bestellstopps aus dem Jahr 2010 zurück – muss doch konstatiert werden, dass die Verteidigungsministerin bisher offenbar keinen Überblick darüber hat, wo denn tatsächlich in ihrem Ressort der Schuh drückt.

Laut Generalinspekteur Volker Wieker sei zu erwarten, dass „der geschilderte Zustand noch einige Jahre erhalten bleiben“ werde. Die Lieferung neuer Modelle sei problembehaftet, auch aktuelle Lieferungen würden sich verzögern.

Die Ministerin selbst scheint sich der Lage und damit auch der Gefahr für die Soldaten, die das mängelbehaftete Gerät bedienen müssen, überhaupt nicht bewusst zu sein. So spricht sie davon, dass die Bundeswehr „hochleistungsfähig“ sei und dass man sich lediglich in einigen Bereichen der Bundeswehr in der Umbruchphase befinde. Das hat man auch schon von ihren Vorgängern vernehmen müssen.

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