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Peter Tauber bringt CDU auf Mulikulti-Kurs

CDU-Muslima wünscht sich Kanzler mit Migrationshintergrund

Mittwoch, 29 Oktober 2014 20:05 geschrieben von  Johann W. Petersen
Dr. Peter Tauber Dr. Peter Tauber Foto: Tobias Koch

Berlin - Die CDU ist stolz auf ihre Pioniertaten im Bereich der Integrationspolitik: Mit Maria Böhmer hat sie die erste Staatsministerin für Integration ins Amt gehoben, in Nordrhein-Westfalen mit Armin Laschet den ersten Integrationsminister auf Landesebene. In Niedersachsen gab es mit David McAllister den Ministerpräsidenten mit Doppelpass und mit Aygül Özkan die erste Ministerin mit türkischem Migrationshintergrund.

Geht es nach Cemile Giousouf, der ersten muslimischen Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden des „Netzwerks Integration“ der Union, sollte die CDU in nicht allzu ferner Zukunft auch den ersten Regierungschef mit ausländischen Wurzeln stellen. „Die Front verläuft nicht zwischen unterschiedlichen Religionen, sondern zwischen Demokraten und Fanatikern, die unser Grundgesetz ablehnen“, so die 35-jährige, in Leverkusen geborene Tochter einer türkisch-griechischen Gastarbeiterfamilie, auf der Integrationskonferenz der CDU vor wenigen Tagen. Wer hätte vor 25 Jahren gedacht, dass es einmal eine „ostdeutsche“ Bundeskanzlerin geben werde, stellte Giousouf rhetorisch in den Raum. Daher könnte es in 25 Jahren auch einen Kanzler bzw. eine Kanzlerin namens Younes Ouaqasse, Heinrich Zertik oder Sylvie Nantcha geben.

Tatsächlich ist den Genannten einzig gemein, dass es sich um aktive CDU-Politiker handelt. Die „Migrationshintergründe“ unterscheiden sich doch sehr. Younes Ouaqasse, Beisitzer im CDU-Bundesvorstand, wurde 1988 in Mannheim als Sohn marokkanischer Zuwanderer geboren, der 1957 in Kasachstan geborene Bundestagsabgeordnete Heinrich Zertik kam 1989 als russlanddeutscher Aussiedler hierher und Sylvie Nantcha wurde 1974 in Kamerun geboren und zog 1992 wegen ihres Studiums in die Bundesrepublik.

Für CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der seine Partei „jünger, weiblicher und bunter“ machen möchte, kommen solche Wortmeldungen natürlich überaus gelegen. In einem Bericht über die Integrationskonferenz wies die Tageszeitung „Die Welt“ allerdings darauf hin, dass eine „buntere“ CDU auch gewisse Probleme mit sich bringt: „Einen Eindruck davon, dass sich die Partei mit der neuen Vielfalt auch neue Widersprüche einhandelt, bekommt man auf den Gängen. Da beschwert sich etwa eine kurdischstämmige Frau, die schon Reden für die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer schrieb, über die rabiaten türkischen Netzwerke in der CDU. Ihr sei auch die kritiklose Haltung gegenüber dem radikalen Islam ein Dorn im Auge: ‚Ich fühle mich angegriffen, wenn eine Frau mit Kopftuch sagt, die CDU ist meine Partei.‘“ Da wird die Union noch einiges an innerparteilicher Integrationsarbeit leisten müssen

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