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Wählerfang

CDU will stärker um Muslime werben

Sonntag, 28 Juni 2015 15:17 geschrieben von  Dirk Schneider
Dr. Peter Tauber, CDU Dr. Peter Tauber, CDU Foto: Tobias Koch | Quelle: petertauber.de

Berlin - CDU-Generalsekretär Peter Tauber erklärte, die CDU wolle in Zukunft stärker um Muslime als Wähler und Mitglieder werben. Das C, welches für christliche Werte stehe, zeige auch vielen  gläubigen Muslimen, „dass in der Union Religionsfreiheit einen hohen Stellenwert hat und Menschen mit einem religiösen Bekenntnis wertgeschätzt werden.“

Er wolle das C im Namen der Partei als Einladung an alle verstanden wissen. Denn auch viele andere Menschen teilten die Werte, die hinter dem C stehen. Tauber hatte bereits im März dieses Jahres betont, die CDU werbe künftig auch um Einwanderer. Die Kritik, es handele sich lediglich um ein Zugehen auf Muslime, wies er damals zurück. Die CDU wolle viel mehr alle Einwanderer für ihre Partei gewinnen und begeistern. Entsprechend habe man auch einen „Leitfaden“ geplant, der sich nicht ausdrücklich nur „an Einwanderer muslimischen Glaubens, sondern genauso an Menschen, die gebürtig aus Polen, Spanien, Russland oder Brasilien kommen“, richte.

Die Wähler konnten für den Vorstoß damals nur wenig Verständnis aufbringen und warfen der Union stattdessen vor, ihre Werte zu verraten. Künftig, so schlugen einige vor, könnten sie dann auch getrost das „C“ in ihrem Parteinamen streichen. Auch drohten viele Mitglieder mit einem Austritt und der Abkehr von der Partei, sollte diese ihre Bemühungen, sich mehr für Muslime zu öffnen, verstärken. Tauber entgegnete damals, alle die von einem Verrat am „C“ sprächen, hätten das „C schlichtweg nicht verstanden“ und zudem das „U“ ignoriert.

Im Juni hatte sich eine Gruppe Abgeordneter um Jens Spahn, die sich cdu2017 nennt, in einem Positionspapier ebenfalls für eine Öffnung der CDU für Muslime ausgesprochen. Der Satz `Der Islam gehört zu Deutschland´ sei „eigentlich sehr banal“: „Hier lebende Muslime gehören schon längst zu Deutschland und das selbstverständlich auch mit ihrem Glauben“, heißt es in dem Papier. Die CDU verstehe sich als einladende Partei. Schon nach dem Krieg sei es der Union gelungen, mit „großer integrierender Kraft“ Protestanten und Katholiken innerhalb einer Partei zu vereinen. „Vielen scheint es heute genauso undenkbar, dass sich Christen und Muslime wie selbstverständlich in einer Partei begegnen und für dieselben Ziele kämpfen. Das wollen wir ändern.“

In Anbetracht des erneuten Vorstoßes in dieser Richtung spottete Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionschefin der Grünen: „Mehr Offenheit tut der CDU gut, mehr Christsein auch – gerade bei der Flüchtlingspolitik.“

Die CDU ist beim Thema Islam noch immer heftig zerstritten. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar nach den islamistischen Attentat in Paris den vom ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff 2010 erstmals geäußerten Satz `Der Islam gehört zu Deutschland´ wiederholte, gibt es auch scharfe Kritiker: Neben dem Innenexperten der CDU Wolfgang Bosbach sprach sich auch Volker Kauder als Unionsfraktionschef als Kritiker aus.

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