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Chemiewirtschaft

Chemie: Schwaches viertes Quartal bringt keine wirtschaftliche Entlastung!

Mittwoch, 09 März 2016 10:24 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Chemie: Schwaches viertes Quartal bringt keine wirtschaftliche Entlastung! Chemie: Schwaches viertes Quartal bringt keine wirtschaftliche Entlastung! Bildquelle: PIXABAY.COM

Frankfurt am Main – Folgt man dem in Frankfurt vorgestellten aktuellen Quartalsbericht des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), steht die Branche weiterhin unter Druck, wovon insbesondere die chemisch-pharmazeutische Industrie betroffen ist. Für diese wird das Schlussquartal als „ernüchternd“ beschrieben und darauf verwiesen, insgesamt auf ein turbulentes Geschäftsjahr 2015 zurückblicken zu müssen, das sämtliche relevanten Kennzahlen nach unten zeigen lässt. Die Branche leidet nicht nur unter der schwachen Industrienachfrage, sondern zeitgleich unter einem schwachen Außenhandel aufgrund der nachlassenden Wirtschaftsdynamik in China und den USA. Für das laufende Jahr 2016 geht der Verband zwar von einem Preisrückgang für chemische Erzeugnisse von voraussichtlich 0,5 % aus, rechnet aber bei einem einprozentigen Produktionsanstieg dennoch eine Erhöhung des Branchenumsatzes von einem halben Prozent auf insgesamt 192 Mrd. €  vor. Ungeachtet der negativen Kennzahlen konnte die Zahl der Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie mit etwa 447.000 Mitarbeiter noch konstant gehalten werden.

Die Frage, wie realistisch die Erwartung einer Produktionsausweitung bzw. wie die Bewertung dieser Prognose ist, muss sich aber auch daran messen lassen, dass die Chemieproduktion vergleichsweise zu den vorangegangenen Monaten im vierten Quartal saisonbereinigt um 2,6 % gesunken ist. Gegenüber dem Vorjahr betrug der Produktionsrückgang bei einer Kapazitätsauslastung der Branche von 83,3 % bei 0,8 %. Die Preise für Chemieprodukte erreichten den niedrigsten Wert seit fünf Jahren, nachdem sie gegenüber dem Vorquartal um 1,6 % und im Jahresvergleich sogar um 2,9 % einbrachen. Betreffend den Umsatzzahlen in der Branche lagen die entsprechenden Rückgänge bei 1,3 % und 2,6 %. Die Preise in der Grundstoffchemie befanden sich nahezu im freien Fall, nur die Fein- und Spezialchemikalien sowie die Wasch- und Körperpflegemittel bildeten eine Ausnahme. Das Pharmageschäft konnte im vierten Quartal nicht zur Stütze der Branche beitragen.

Der Preis für Naphtha, dem wichtigsten Rohstoff der Chemieindustrie, folgte der Ölpreisentwicklung. Der Naphthapreis lag von Oktober bis Dezember 2015 mit einem durchschnittlichen Preis von 376 Euro pro Tonne 2,6 % unter dem Wert der vorangegangenen drei Monate. Die Kontraktpreise für Primärchemikalien gaben sogar deutlich stärker nach. Hier wurden Preisrückgänge im zweistelligen Bereich verbucht. VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann sagte zur konjunkturellen Entwicklung der Branche: „Das vergangene Jahr ist hinter unseren Erwartungen geblieben. Auch 2016 ist wegen des geringen Industriewachstums nur mit einer schwach steigenden Nachfrage nach Chemikalien in Deutschland zu rechnen. Etwas positiver dürfte sich der Außenhandel entwickeln. Insgesamt rechnen die Chemiebetriebe für die kommenden Monate nur mit einer leichten Belebung ihres Geschäfts.“

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