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Südamerika im Visier

China und Rußland intensivieren Außenhandelsbeziehungen in Lateinamerika

Freitag, 25 Juli 2014 09:31 geschrieben von  Jens Hastreiter
China und Rußland intensivieren Außenhandelsbeziehungen in Lateinamerika Quelle: pixabay.org

Berlin - Erst kürzlich bereiste der russische Präsident Wladimir Putin eine Reihe von südamerikanischen Ländern. In Rio de Janeiro konnte er dabei zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel den deutschen WM-Sieg live verfolgen.

Doch die WM war nicht der Grund für Putins Blitzbesuch in Brasilien. Auch hier stehen vielmehr knallharte geostrategische Interessen im Hintergrund. Südamerika ist eines der Terrains, auf dem Rußland zusammen mit China punkten und die USA aus ihrer Vormachtrolle verdrängen will.

Rußland und China verfolgen dabei eine regelrechte „Charme-Offensive“, um sich lateinamerikanischen Regierungen als neue Partner zu empfehlen. So soll Argentinien, das aufgrund eines Urteils des höchsten US-Gerichts aufgrund einer Klage von US-Hedgefonds vor der Staatspleite steht, von China 7,5 Mrd. US-Dollar als dringend benötigte Geldspritze erhalten. Während sich die USA, der IWF oder die Weltbank zurückhielten und Buenos Aires im Regen stehen ließen, übernimmt der chinesische Staatspräsident Xi Jinping die Rolle des Retters, der Argentinien voraussichtlich vor der Staatspleite bewahrt – ein glatter Punktsieg für Peking.

Auch Rußlands Präsident Putin nutzte seine Reise zum BRICS-Gipfel in Brasilien dazu, die ausstehenden Staatsschulden Kubas gegenüber Rußland zu streichen. Als Gegenleistung stimmt Kuba der Errichtung einer leistungsfähigen russischen Abhörstation auf Kuba zu. Außerdem sollen auf der Zuckerinsel ebenso wie auch in Nicaragua Bodenstationen für das russische Satelliten-Navigationssystem Glonass errichtet werden, Rußlands Antwort auf GPS. Damit hebelt Putin den Widerstand der USA auf denkbar elegante Weise aus, denn in den USA selbst verhinderte Washington bislang die Errichtung derartiger Bodenstationen.

Auch China will seine eigenen Beziehungen zu Kuba auf ein neues Fundament stellen. Peking beteiligt sich bereits am Hafenausbau in Mariel ­– die Stadt gehört zu einer Sonderwirtschaftszone, die analog zu denen in China ausländische Investoren anlocken soll. Damit engagieren sich China und Rußland verstärkt in Lateinamerika.

Ebenso befindet sich das kriselnde Venezuela im Visier der chinesischen Charme- und Wirtschaftsoffensive in Lateinamerika. Dazu wurde erst kürzlich eine Eröffnung einer Filiale der Chinesischen Entwicklungsbank in Caracas vereinbart.

Besonders aktiv ist Peking außerdem in  Nicaragua. Hier geht es um ein Mega-Projekt, den Nicaragua-Kanal, der mit chinesischem Kapital und massiver Unterstützung rasch realisiert und als Alternative zum Panama-Kanal etabliert werden soll. Noch für das laufende Jahr ist der Baubeginn geplant. China wird dabei die indirekte Kontrolle als Finanzier und Bauherr innehaben.

Auch mit anderen lateinamerikanischen Staaten hat China seine wirtschaftliche Zusammenarbeit in den letzten Jahren intensiviert. Der Außenhandel zwischen den Ländern dieser Region und China ist nicht zuletzt wegen des enormen Rohstoffhungers Chinas seit seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation dramatisch gewachsen. Damit ist China auf dem besten Weg, die USA aus ihrer bisherigen angestammten Rolle in Lateinamerika zu verdrängen, was in Washington längst als draller Verstoß gegen die traditionelle Monroe-Doktrin („Amerika den Amerikanern“) verstanden wird.

Im globalstrategischen Maßstab geht es dabei um mehr als das Erringen von Handelspositionen. Vielmehr reagieren China und Rußland mit ihrer Außenwirtschafts-Offensive in Lateinamerika ihrerseits auf die unverhohlene Einkreisung durch USA und NATO im eurasisch-pazifischen Raum. Für die USA ist das ein Grund zur Beunruhigung. Wenn nicht alles täuscht, sind die Tage des weltumspannenden US-Imperiums gezählt.

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