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Wenn das Navi in Sibirien nichts mehr sieht

Chronik einer angekündigten Eskalation: Russland schaltet GPS-Stationen ab

Mittwoch, 04 Juni 2014 17:26 geschrieben von  Jens Hastreiter
Chronik einer angekündigten Eskalation: Russland schaltet GPS-Stationen ab Bild: rudolf ortner / pixelio.de

München - Dieser Schritt kam nicht überraschend: Russland hat jetzt die amerikanischen GPS-Stationen auf seinem Territorium vorläufig außer Betrieb gesetzt. Das meldeten russische Nachrichtenagenturen am Dienstag.

Laut einer Pressemitteilung der russischen Raumfahrtagentur (Roskosmos) wurde die Maßnahme am 1. Juni „im Auftrag der Regierung“ ergriffen. Mitte Mai hatte Vizepremier Dmitri Rogosin gewarnt, dass die GPS-Stationen in Russland außer Betrieb gesetzt würden, falls die Verhandlungen mit den USA über die Aufstellung der russischen GLONASS-Stationen bis zum 31. Mai kein Ergebnis bringen sollten. Sollte bis zum 31. August keine Einigung erreicht werden, dann würden die GPS-Anlagen endgültig außer Betrieb gesetzt, fügte Rogosin hinzu.

Die Abschaltung kommt einem Nadelstich gleich, der die High-Tech-Supermacht USA allerdings schmerzen könnte. Denn: Für einen sicheren Empfang der Signale von Navigationssatelliten und ihre Verbreitung unter den Nutzern ist ein umfassendes Netzwerk bodengestützter Kommunikationsstationen nötig. Auch quer über das russische Staatsgebiet sind amerikanische GPS-Sendestationen verstreut, und das inzwischen seit mehr als 25 Jahren.

Die meisten davon befinden sich in Sibirien und im Fernen Osten und sind für den Normalbürger kaum von Bedeutung. Militärexperten wissen freilich, dass diese Stationen für die präzise Erfassung von Raketen erforderlich sind. In den neunziger Jahren, als die GPS-Stationen in Russland postiert wurden, war das kein Problem, denn nach dem Zerfall der Sowjetunion gingen Politiker wie Militärplaner auch in Russland davon aus, dass die Ära der militärischen Konfrontation vorüber sei.

Zudem hatten die USA seinerzeit zugesagt, im Gegenzug die Aufstellung von Stationen des russischen Navigationssystems GLONASS auf ihrem Territorium zuzulassen, wenn dieses in Betrieb genommen würde. Seit den frühen 2000er-Jahren gibt es GLONASS-Anlagen inzwischen in Russland, Kasachstan, Brasilien und sogar in der Antarktis. In den USA sollten fünf Stationen errichtet werden, und zwar in Honolulu (Hawaii), auf Guam, in Denver (Bundesstaat Colorado), Los Angeles (Kalifornien) und Greenbelt (Maryland). Doch dann erklärte Washington überraschend, die Stationen gefährdeten die nationale Sicherheit der USA.

Vor der Kulisse der aktuellen Krise reagierte Moskau nun auf die Absage der Amerikaner. Die geplanten Maßnahmen sehen eine Verlangsamung der Signalversendung der GPS-Stationen vor, was zum Beispiel die Erfassung von Raketenstarts deutlich beeinträchtigt. Da US-Raketen nicht über Sibirien fliegen, bräuchte sich das Pentagon allerdings keine Sorgen zu machen, argumentiert die russische Weltraumbehörde. Autofahrer sollen ihre GPS-Geräte dagegen auch künftig problemlos verwenden können. Außerdem können sie auch auf das GLONASS-System zurückgreifen.

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