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European Homecare

Das einträgliche Geschäft mit den Flüchtlingen

Dienstag, 07 Oktober 2014 16:51 geschrieben von  Johann W. Petersen
Logo von European Homecare Logo von European Homecare Quelle: eu-homecare.com

Berlin - Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres begehrten 216.300 Menschen in den 28 EU-Ländern Asyl, fast jeder dritte davon – insgesamt 65.700 Personen – stellte einen Antrag in Deutschland. Für 2014 und 2015 erwartet Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) jeweils 200.000 neue Asylbewerber, 2013 waren es 170.000.

Was vor allem die Kommunen Monat für Monat vor immer neue Herausforderungen stellt, ist für die oftmals privaten Betreiberfirmen der Heime ein einträgliches Geschäft. Zu jenen Unternehmen gehört auch der „soziale Dienstleister“ European Homecare, der auch für das Asylantenheim in Burbach verantwortlich zeichnet, das wegen der Übergriffe von Sicherheitsleuten auf Bewohner unlängst in die Schlagzeilen geriet.

2012 erwirtschaftete das 1989 in Essen gegründete Unternehmen bei einem Umsatz von knapp 10 Millionen Euro einen Jahresüberschuss von mehr als 800.000 Euro. Neuere Zahlen liegen bislang nicht vor. Bezahlt wird die Firma für den Betrieb einer Asylbewerberunterkunft pauschal über einen Tagessatz, der je Bewohner fällig wird und nach Angaben des Geschäftsführers von European Homecare, Sascha Korte, je nach Umfang der Aufgaben zwischen vier und fünfzehn Euro pro Person schwanken kann. Damit verdient das Unternehmen pro Asylbewerber oder Flüchtling bis zu 450 Euro im Monat.

Im Zweifelsfall unterbietet European Homecare konkurrierende karitative Anbieter mit Dumpingpreisen, wie auch ein Beispiel aus Österreich zeigt. Als dort vor zwölf Jahren der Betrieb der Heime privatisiert werden sollte, lag das Essener Unternehmen mit einem Tagessatz von 12,89 Euro je Bewohner für ein Heim in Traiskirchen deutlich unter dem Preis von 15 Euro, die ein Konsortium aus verschiedenen Hilfsorganisationen veranschlagt hatte.

Als sich European Homecare 2010 dann wieder aus Traiskirchen zurückzog, hatte das rein betriebswirtschaftliche Gründe. Die Asylbewerberzahlen gingen zurück, die geringere Belegung des Heims machte den Betrieb zu einem unrentablen Geschäft. Zwei Jahre später brach das Unternehmen seine Zelte in Österreich dann komplett ab. Mit steigenden Asylbewerberzahlen in Deutschland steigen auch die Gewinne von European Homecare wieder an. Insofern erlebt der „soziale Dienstleister“ durch den ungebremsten Zustrom von Asylbewerbern gerade wieder einen enormen Aufschwung.

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