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Volker Beck will Thilo Sarrazin behandeln

Debatte um „Mein Kampf“ im Schulunterricht

Sonntag, 20 Dezember 2015 06:01 geschrieben von  Torsten Müller
Volker Beck Volker Beck Quelle: volkerbeck.de | Foto: Angelika Kohlmeier

Berlin - Eine neue Debatte um das Buch von Adolf Hitler, „Mein Kampf“, ist entbrannt. Zum Ende des Jahres laufen die Urheberrechte aus, die bisher einen Nachdruck in Deutschland verhindert haben. Viele Bildungspolitiker und Vertreter von Lehrerverbänden sprechen sich dafür aus, das Buch im Schulunterricht einzusetzen, um sich kritisch mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, vertritt in diesem Zusammenhang eine andere Auffassung. Stattdessen sollte man neuere Bücher von Thilo Sarrazin, Akif Pirincci oder Jürgen Elsässer einsetzen. Beck dazu wörtlich: „Im heutigen Kontext von Hass und Hetze durch AfD, Pegida und Co. halte ich es für notwendig, dass Lehrkräfte auch im Umgang mit den Machwerken von Pirincci, Sarrazin und Elsässer geschult werden. Diese pseudowissenschaftlichen Beschimpfungsarien sind auch für junge Menschen wesentlich zugänglicher als dieser antisemitische Müll, den Hitler in unlesbarer Sprache und verworrenen Gedankengängen zu Papier gebracht hat.“

Mit Blick auf die Forderung, „Mein Kampf“ im Schulunterricht einzusetzen, fügt Beck hinzu: „Kein Mensch quält sich freiwillig durch Hitlers „Mein Kampf“, dafür ist es viel zu schlecht geschrieben. Nach meinem Wissen gehören Textpassagen aus „Mein Kampf“ seit eh und je zum Inhalt von Geschichtsbüchern, und in einer Schulbibliothek sollte das Buch auch in kommentierter Fassung stehen, um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung zu ermöglichen.“

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann sieht im Einsatz von Hitlers Werk durchaus einen pädagogischen Mehrwert: „Mein Kampf ist ein schreckliches und monströses Buch. Diese antisemitische menschenverachtende Kampfschrift historisch zu entlarven und den Propagandamechanismus zu erklären, gehört in einen modernen Schulunterricht von dafür qualifizierten Lehrkräften.“ Rossmann dazu weiter: „Dabei kann und muss die kritische Auseinandersetzung mit „Mein Kampf“, dieser Antithese zur Menschlichkeit, Freiheit und Weltoffenheit, die Widerstandsfähigkeit gegen aktuelle Verführungen und Gefährdungen stärken.“

Die Länder werden sich in dieser Frage sicher sehr unterschiedlich verhalten. Interesssant dürfte es werden, wenn Becks Vorschlag aufgegriffen wird und aktuelle Sachbücher von Sarrazin, Pirinci oder Elsässer Eingang in den Schulunterricht bekämen. Viele Schüler würden wohl feststellen, dass in den Büchern eine geistige Alternative zum Medien-Mainstream in Deutschland steckt.

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