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"Deutschland hat die Position des Vasallen übernommen“

Der Geheimdienst-Experte Daniele Ganser spricht Klartext

Montag, 14 Juli 2014 20:45 geschrieben von  Jens Hastreiter
Der Geheimdienst-Experte Daniele Ganser spricht Klartext Quelle: pixabay.org

Berlin - Der Schweizer Historiker Daniele Ganser hat sich spätestens 2005 mit seinem inzwischen in zehn Sprachen übersetzten Buch „NATO-Geheimarmee – Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung“ weltweit einen Namen als Experte gemacht. Ganser legte darin die Strukturen eines vom westlichen Militärbündnis in ganz Europa unterhaltenen Netzwerkes bloß, das in den Jahrzehnten des Kalten Krieges immer wieder durch willkürliche Anschläge Unruhe unter den westeuropäischen Bevölkerungen schürte, um die NATO-Mitgliedsländer in der Ära der Blockkonfrontation auf Linie zu halten.

Vor kurzem legte Ganser nach, in einem weiteren Buch unter dem Titel „Europa im Erdölrausch – Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit“. Darin schreibt er die Geschichte der NATO-Geheimpolitik hinter den Kulissen der Weltpolitik fort, denn auch im Kampf ums Öl und die schwindenden Energieressourcen mischt das westliche Militärbündnis kräftig mit. Gerade die aktuelle Ukraine-Krise bietet dafür ein gutes Beispiel.

In einem aktuellen Interview bekräftigte Ganser dieser Tage seine Kritik an der fehlenden Transparenz des westlichen Militärbündnisses und seiner Strukturen, das zudem völlig von den USA dominiert werde. Ganser zitiert in diesem Zusammenhang den früheren amerikanischen Präsidenten Nixon, dem das entlarvende Wort zugeschrieben wird: „Die NATO ist die einzige internationale Organisation, die funktioniert. Und das deshalb, weil sie eine militärische Organisation ist und die USA an der Spitze stehen.“

Auf zahlreichen Kanälen sichere die NATO in erster Linie den amerikanischen Einfluß auf die internationale Politik – und nicht zuletzt die amerikanische Verfügungsgewalt über die Rohstoffquellen der Welt. Während sich das saudische Öl traditionell im Zugriff der USA befinde, beharre Rußland auf seiner Verfügungsgewalt über die erheblichen russischen Ölreserven; Ganser weist auf die wenig bekannte Tatsache hin, daß sich Rußland und Saudi-Arabien derzeit den Spitzenplatz in der weltweiten Erdölförderung teilen.

Aus der amerikanischen Langfriststrategie, die auf die globalen Energieressourcen abzielt, erklärt sich für Ganser auch der latente Krieg der westlichen Supermacht gegen Rußland. Dabei arbeite Washington mit allen Mitteln, subversiven, propagandistischen, militärischen – und auch diplomatischen. Ganser: „Den USA gelingt es sehr gut, die verschiedenen Länder in Europa gegeneinander auszuspielen. Im Moment spielt man Deutschland gegen Rußland aus, natürlich im amerikanischen Interesse. Das ist das alte System von ´Divide et impera´ – ´Teile und herrsche´. Es ist nicht das Ziel von Washington, daß die EU und Rußland zusammenarbeiten und einen großen Wirtschaftsraum aufbauen, der auch noch über die größten Öl- und Gasreserven verfügt. Das wäre nicht im Interesse der USA.“

Die westlichen Medien unterschlügen dabei chronisch die Tatsache, daß sich die NATO seit dem Ende der UdSSR kontinuierlich – und unter Bruch gegebener Zusagen – nach Osten vorgearbeitet habe. Russische Ängste vor einer Einkreisung durch das westliche Bündnis seien deshalb begründet. Gerade der Lagerwechsel der Ukraine und der Austausch der Regierung Janukowytsch durch die Riege Jazenjuk/Poroschenko/Klitschko läßt in Gansers Augen überdeutlich die Handschrift der NATO erkennen.

Die Rolle Deutschlands sei bei alledem die eines anhaltend „besetzen Landes“. „Das schmerzt natürlich, wenn man das so liest als deutscher Leser, ist aber trotzdem die derzeitige Situation. Sie haben amerikanische Stützpunkte in Deutschland, und das Handy von Kanzlerin Merkel wird vom USA-Militärgeheimdienst NSA abgehört. (...) Das heißt, Deutschland hat hier leider die Position des Vasallen übernommen.“

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