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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelt

Deutsche Großstädte weisen besonders hohes Armutsrisiko auf

Dienstag, 26 August 2014 19:21 geschrieben von  Torsten Müller
Logo des Instituts der deutschen Wirtschaft Logo des Instituts der deutschen Wirtschaft Quelle: iwkoeln.de

Bremen - Auch wenn Deutschland von Politikern gerne als reiches Land gepriesen wird, was nicht selten als Begründung für eine ambitioniertere Aufnahme von Asylbewerbern dient, belegen alljährlich die Armutsberichte, dass es hierbei doch größere Probleme gibt, als oft angenommen wird. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat nun eine Studie vorgelegt, der zufolge besonders in Großstädten viele Menschen leben, die unter Armut leiden.

Berücksichtigt man nur die Einkommen und die diesbezügliche Armutsquote als solche, ergibt sich ein starkes West-Ost-Gefälle. Will heißen, dass die Armutsgefährdung in absoluten Zahlen im Osten der Republik deutlich höher als im Westen ist. Berücksichtigt man ebenso die Preise und die daraus abzuleitende Kaufkraft, ergibt sich ein starkes Land-Stadt-Gefälle.

Als arm gilt den Wissenschaftlern zufolge, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Dieser Betrag liegt derzeit bei 871 Euro. Bei dieser Berechnung spielen regionale Preisunterschiede bisher keine Rolle. Das IW hat in seiner Analyse nun erstmals die regionalen Preisniveaus berücksichtigt. Somit wurden nicht die üblichen Armutsquoten, sondern die Kaufkraftarmutsquoten berechnet. Der Leiter des IW, Michael Hüther sagte dazu: „Die Preise in reinen Stadtregionen sind um gut sechs Prozent höher als in ländlichen oder teilverstädterten Gebieten.“

Laut der Untersuchung, die unter Federführung der Kölner Armutsforscher Christoph Schröder und Klaus-Heiner Röhl durchgeführt wurde, sind in den Städten im Durchschnitt 22 Prozent der Einwohner kaufkraftarm. Im ländlichen Raum dagegen sind es 14 Prozent. Spitzenreiter ist Köln mit 26 Prozent, gefolgt von Dortmund mit 25,5 Prozent, Bremerhaven mit 23,4 Prozent und Leipzig mit 24,3 Prozent. Die Bundeshauptstadt Berlin kommt auf 22 Prozent. Laut dem Leiter des IW, Michael Hüther werde das Land-Stadt-Gefälle im Zeitverlauf zunehmend größer.

Bei den Bundesländern kommt Mecklenburg-Vorpommern mit 20,7 Prozent auf die höchste kaufkraftbereinigte Armutsquote.

Als Konsequenz aus der Studie wird empfohlen, die bisherige Regionalpolitik zu überdenken. So empfehlen die Wissenschaftler, dass Investitionen, Innovations- und Gründungsförderung sowie Bildung besser miteinander verknüpft werden. Auch sollen Städte mit strukturellen Problemen und einer großen Gruppe bildungsferner Haushalte eine höhere Förderung erhalten.

Auf jeden Fall macht die Studie deutlich, dass der Anteil derjenigen, an denen der von der Politik versprochene Aufschwung vorbeigegangen ist, sollte es ihn denn überhaupt gegeben haben, exorbitant hoch ist.

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